Der Untersuchungsgegenstand (Differenz-)wissen
摘要
Kapitel drei nimmt die Frage nach dem Wissen der Beratung als ausgewiesenen Gegenstand der Beratungsforschung in den Blick, der gleichsam auf sein Desiderat verweist. Es wird ein Wissensbegriff erarbeitet, dessen Ausgang im Umfeld der als neueren bezeichneten wissenssoziologischen Ausführungen Peter L. Bergers und Thomas Luckmanns, Michel Foucaults Überlegungen zu Wissen und Macht, insbesondere aber Pierre Bourdieus Theorie der Wirkmächtigkeit von Sprache und symbolischer Gewalt, sowie im Umfeld der teils kontroversen Debatten der sozialwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung der 1990er Jahre anzusiedeln ist. Die Erweiterung des Wissensbegriffs um Bourdieus und Foucaults Machtanalytik ermöglicht, über mikrosoziologische Betrachtungen des Beratungswissens hinauszugehen und darüber nachzudenken, wie Wissen gesellschaftlich produziert, in Institutionen verfestigt, subjektiv angeeignet und von individuellen Akteur_innen zum Einsatz gebracht wird. Wissen wird darin gleichsam als theoretische Konstruktion und als empirischer Gegenstand in seiner Topographie und seinen Spielarten abgesteckt und einer epistemologischen Perspektivierung zugeführt, die Wissen als soziales Wissen fasst, das spezifische Effekte und Wirkungen zeitigt. In Anknüpfung an geschlechtertheoretische Überlegungen zum Geschlechterwissen wird Wissen als wirklichkeits-, macht- und ungleichheitskonstituierendes Prinzip herausgearbeitet und Beratung als Ort der Wissensproduktion bestimmt.