Inszenierung des Antisemitismus
摘要
„Antisemitismus“ ist ein „unglücklich“ gewählter Begriff. Dennoch ist er mittlerweile eine „established convention“, der zwar eine falsche Bedeutung hat, aus dem Begriffsinventar der scientific community und aus dem Alltag aber kaum noch zu entfernen ist. Um der semantischen, letztlich politischen sowie wissenschaftlichen Ungenauigkeit zu entgehen, wurden in der wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Literatur verschiedene Versuche unternommen, um Ersatzbegriffe zu formulieren. Entweder wird auf die traditionellen Begriffe der Judenfeindschaft, des Judenhasses, der Judeophobie oder des Antijudaismus zurückgegriffen oder es werden differenzierende Begriffe vorgeschlagen. Wir sprechen vom Antisemitismus als kalkulierte Inszenierung der Vernichtung der Juden als Juden. Nicht einzelne Jüdinnen und Juden sind das Ziel der kalkulierten Inszenierung. Die Antisemit*innen verweigern den Juden die Rechtmäßigkeit ihrer Existenz als Mitglieder sozialer Gemeinschaften. Wir nutzen eigene sozialwissenschaftliche Beobachtungen und einschlägige aus der Scientific Community, um unsere Auffassung von der Inszenierung des Antisemitismus und von der Ausdifferenzierung antisemitischer Einstellungen empirisch zu illustrieren.