Pädagogik der Sorge: Matters of care und caring about als affirmative Verschiebungen des latourschen concern
摘要
„Der Kritiker ist nicht derjenige, der entlarvt, sondern der, der versammelt.“ Dieser Einspruch Latours gegen ein bestimmtes theoretisches Konzept des Kritischen ist bekannt. Es setzt an die Stelle des Entlarvens etwas, das Latour mit Whitehead concern nennt. Damit rückt Latour das Versammeln, die Notwendigkeit der Sorge um das, was ist, seine Zusammengesetztheit und Zerbrechlichkeit, in den Vordergrund. Hier knüpfen feministische und queer/feministische Positionen in den STS an, indem sie die Sorge ins Zentrum ihrer spekulativen Entwürfe stellen (Puig de la Bellacasa). Diese Ansätze stehen jedoch gleichzeitig in einer Spannung zu Latour: Der Sorge um das Versammeln und das Versammelte, wird so bspw. Sorge als situiertes und transformatives Involviertsein, das teilnimmt am Gewebe des Lebendigen (Puig de la Bellacasa im Anschluss an Tronto und Haraway) oder als abyssale Öffnung auf Alterität, auf die Nichtgegebenheit der Welt (Schrader) gegenübergestellt. Dabei ist der Umgang mit den Impulsen der latourschen Theorie gleichzeitig ein Beispiel für die Möglichkeit einer sorgenden, affirmativen Kritik. Der Artikel möchte diesen an Latour angrenzenden und in (kritischem) Austausch mit ihm stehenden Konzepten einer verändernden, transformativen Sorge, einer – wie hier vor allem mit Astrid Schraders Auseinandersetzung mit Latour und Derrida zu entwickeln versucht wird – Pädagogik der Sorge nachgehen.