Leben und Tod im Schullabor: Die Konstruktion von ‚Umweltverschmutzung‘ durch Wasserflöhe, Goldfische, Jugendliche und Hausmeister
摘要
Inspiriert von Laboratory Life, Bruno Latours und Steve Woolgars Studie über die Konstruktion wissenschaftlicher Fakten, verfolgt dieser Beitrag die These, dass eine von Bruno Latour bzw. der Akteur-Netzwerk-Theorie inspirierte Perspektive auf Bildungsgeschichte einen neuen Blick auf die Geschichte der Konstruktion von Umweltverschmutzung und Umweltwissen im Rahmen von schulischen Wissensproduktionsprozessen ermöglicht. Die Geschichte folgt dabei der real-fiktionalen Erzählerfigur Hausmeister Hill, der in den 1970er Jahren eine Gruppe Frankfurter Schüler:innen bei ihren Versuchen mit Wasserflöhen, Goldfischen und Mainwasser beobachtet. Die dabei gewählte Form einer factishen Geschichtsschreibung mit Bruno Latour – Fiktion und Fakt verschwimmen hier buchstäblich – erlaubt es, Umweltverschmutzung und Umweltwissen als einen instabilen Netzwerkeffekt zu sehen, der in spontanen, lokalen Akteur-Netzwerken aus menschlichen und nichtmenschlichen Entitäten produziert wird. Folgt man Latour, verdeutlicht der Fokus auf den Konstruktionscharakter von Fakten deren Fragilität, ohne dabei ihren Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Gerade mit Blick auf gegenwärtige Debatten um post-truth und Verschwörungstheorien bietet Latours Werk damit eine häufig missverstandene, nuancierte Perspektive auf die Konstruiertheit von Fakten. Hausmeister Hills Beobachtungen richten das Augenmerk auf Inskriptionen und (im)mutable mobiles, die im Konstruktionsprozess der Umweltverschmutzung einen entscheidenden Unterschied machen, während sein Frankfurter ‚Slang‘ die Leser:innen näher an die Dinge der Geschichte bringt.