Der Beitrag untersucht mit Bruno Latour, wie algorithmische Systeme pädagogische Praktiken in der Schule verändern. Ausgehend vom Konzept der Delegation wird analysiert, wie zentrale Aufgaben der Lehrpersonen – insbesondere Leistungsbeurteilung, Aufgabensteuerung und Diagnose – zunehmend an technische Systeme übertragen werden. Algorithmische Systeme werden dabei nicht als neutrale Werkzeuge verstanden, sondern als Mittler, die pädagogisches Handeln übersetzen, transformieren und neu konfigurieren. Am empirischen Beispiel des in der Deutschschweiz weit verbreiteten Stellwerktests zeigt der Beitrag, wie technische Standardisierung, Vergleichbarkeitsversprechen und adaptive Testverfahren in schulische Praxis eingreifen und bestehende Beurteilungsordnungen herausfordern. Die Analyse macht deutlich, dass die Wirkmacht des Systems nur im Zusammenspiel mit weiteren Akteuren – insbesondere Lehrpersonen, Schüler:innen, Entwickler:innen und außerschulischen Institutionen – entsteht. Dabei verschieben sich Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und professionelle Rollen, ohne dass es zu einer vollständigen Substitution pädagogischer Expertise kommt. Statt einer linearen Deprofessionalisierung zeichnet der Beitrag ein relationales Bild professionellen Wandels: Lehrkräfte bleiben zentrale Akteure, ihre Professionalität verändert sich jedoch hin zu einer kritisch-reflexiven Auseinandersetzung mit algorithmischen Systemen, Dateninfrastrukturen und deren Grenzen.

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Von der Delegation zur Deprofessionalisierung? Mit Latour algorithmische Systeme in der Schule erforschen

  • Tobias Röhl

摘要

Der Beitrag untersucht mit Bruno Latour, wie algorithmische Systeme pädagogische Praktiken in der Schule verändern. Ausgehend vom Konzept der Delegation wird analysiert, wie zentrale Aufgaben der Lehrpersonen – insbesondere Leistungsbeurteilung, Aufgabensteuerung und Diagnose – zunehmend an technische Systeme übertragen werden. Algorithmische Systeme werden dabei nicht als neutrale Werkzeuge verstanden, sondern als Mittler, die pädagogisches Handeln übersetzen, transformieren und neu konfigurieren. Am empirischen Beispiel des in der Deutschschweiz weit verbreiteten Stellwerktests zeigt der Beitrag, wie technische Standardisierung, Vergleichbarkeitsversprechen und adaptive Testverfahren in schulische Praxis eingreifen und bestehende Beurteilungsordnungen herausfordern. Die Analyse macht deutlich, dass die Wirkmacht des Systems nur im Zusammenspiel mit weiteren Akteuren – insbesondere Lehrpersonen, Schüler:innen, Entwickler:innen und außerschulischen Institutionen – entsteht. Dabei verschieben sich Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und professionelle Rollen, ohne dass es zu einer vollständigen Substitution pädagogischer Expertise kommt. Statt einer linearen Deprofessionalisierung zeichnet der Beitrag ein relationales Bild professionellen Wandels: Lehrkräfte bleiben zentrale Akteure, ihre Professionalität verändert sich jedoch hin zu einer kritisch-reflexiven Auseinandersetzung mit algorithmischen Systemen, Dateninfrastrukturen und deren Grenzen.