Postdigitale Gouvernementalität und die Refiguration des Alter(n)s. Sozialisationstheoretische Perspektiven auf Bildung und biografische Bewältigung
摘要
Das Alter rückt zunehmend in das Blickfeld der Auseinandersetzung – nicht länger als Phase des Rückzugs, sondern als Raum neuer Erwartungen, Anforderungen und Normierungen. Der Beitrag verortet das Alter(n) im Spannungsfeld postdigitaler Transformation, die neue Leitbilder und Formen der Vergesellschaftung prägt. Ausgehend von einer sozialisationstheoretischen Perspektive kontextualisiert er Gesundheit, Kompetenz und soziale Netzwerke in ihrer Bedeutung für die Handlungsfähigkeit im höheren Lebensalter. Exemplarisch wird das ambivalente Verhältnis zwischen technischer Ermöglichung und normativer Funktionalisierung anhand aktueller Entwicklungen wie Granfluencing, KI-gestützter Assistenzsysteme oder medienpädagogischer Bildungsangebote beleuchtet. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern diese Kontexte einer biografischen Selbstermächtigung dienen oder vielmehr in eine gouvernementale Logik eingebettet sind, die Selbstsorge, Anschlussfähigkeit und Selbstoptimierung zur Voraussetzung für Teilhabe machen. In der Zusammenschau plädiert der Beitrag für ein Bildungsverständnis, das älteren Menschen nicht nur Zugang, sondern auch Deutungshoheit über ihre Rolle in der postdigitalen Gesellschaft eröffnet.