Die Selbstverständlichkeit von Literalitätsnormen – Impulse zur Reflexion qualitativer Forschungsprozesse
摘要
Die Forschung mit Menschen mit geringer Literalität erfordert eine kritische Reflexion der eigenen Positionierung der Forschenden, um den Erhebungs- und Auswertungsprozess angemessen zu gestalten und Selbstverständlichkeiten in einer schriftsprachgeprägten Gesellschaft zu hinterfragen. Der Beitrag untersucht, wie normative Anforderungen an Literalität Konstrukte von Teilhabe und Lebensführung schaffen, die Menschen mit geringer Literalität ausschließen. Anhand der kritischen Reflexion des methodischen Vorgehens einer Dissertation zu Schwangerschaft und Geburt bei Frauen mit geringer Literalität sowie Erfahrungen aus dem Projekt DiGeKo-Net werden zentrale methodische Herausforderungen wie Sampling, Teilnehmendenakquise und informierte Einwilligung beleuchtet. Standardisierte Ansprachemethoden können zur Exklusion führen, weshalb alternative Strategien zur Ansprache und Repräsentation nötig sind. Der Beitrag fordert eine gezielte Einbeziehung von Menschen mit geringer Literalität in den Forschungsprozess. Eine reflektierte Herangehensweise kann dazu beitragen, bestehende Ungleichheiten und Ausschlussmechanismen kritisch zu hinterfragen und den Diskurs über Literalität zu erweitern.