Der Beitrag untersucht explorativ unterschiedliche Verständnisse von Literalität, die Sozialwissenschaftler:innen der Arbeitsmarkt-, Bildungs-, und Familienforschung im Rahmen empirischer Forschungsprozesse zugrunde legen. Anhand von inhaltsanalytisch-ausgewerteten Interviews mit Forscher:innen aus den genannten Forschungsbereichen wurden Praktiken im Umgang mit geringer oder abweichender Literalität rekonstruiert. Diese werden als Modi dargestellt, welche sowohl von den unterschiedlichen methodologischen Paradigmen quantitativer bzw. qualitativer Forschung, als auch dem Erfahrungswissen aus disziplinärem und institutionellem Umfeld geprägt sind. Von besonderem Interesse ist dabei, wie die Forschenden mit solchen Teilnehmenden in ihren Studien umgehen, die als gering literalisiert gelten können, also von der erwarteten Normalliteralität abweichen. Obwohl die interviewten Sozialforschenden an einer Vielzahl von Studien (qualitative und quantitative Spezialstudien, bevölkerungsrepräsentative oder teilrepräsentative Studien, Panelstudien) mitgewirkt haben, wird deutlich, dass ein explizites Konzept von Literalität nicht Bestandteil ihrer Forschungspraxis ist. Wie dieser Beitrag zeigt, arbeiten die Wissenschaflter:innen dennoch implizit mit Annahmen zur Literalität der Befragten. Diese Annahmen sind in ein Bündel von Praktiken eingebunden, das sich in der qualitativen und in der quantitativen Forschung jeweils spezifisch auf die Herstellung von Verstehen ausrichtet.

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Verständnisse und Praktiken von Sozialforschenden im Umgang mit Literalität in empirischen Forschungsprozessen

  • Johanna Schneider,
  • Martin Möhring

摘要

Der Beitrag untersucht explorativ unterschiedliche Verständnisse von Literalität, die Sozialwissenschaftler:innen der Arbeitsmarkt-, Bildungs-, und Familienforschung im Rahmen empirischer Forschungsprozesse zugrunde legen. Anhand von inhaltsanalytisch-ausgewerteten Interviews mit Forscher:innen aus den genannten Forschungsbereichen wurden Praktiken im Umgang mit geringer oder abweichender Literalität rekonstruiert. Diese werden als Modi dargestellt, welche sowohl von den unterschiedlichen methodologischen Paradigmen quantitativer bzw. qualitativer Forschung, als auch dem Erfahrungswissen aus disziplinärem und institutionellem Umfeld geprägt sind. Von besonderem Interesse ist dabei, wie die Forschenden mit solchen Teilnehmenden in ihren Studien umgehen, die als gering literalisiert gelten können, also von der erwarteten Normalliteralität abweichen. Obwohl die interviewten Sozialforschenden an einer Vielzahl von Studien (qualitative und quantitative Spezialstudien, bevölkerungsrepräsentative oder teilrepräsentative Studien, Panelstudien) mitgewirkt haben, wird deutlich, dass ein explizites Konzept von Literalität nicht Bestandteil ihrer Forschungspraxis ist. Wie dieser Beitrag zeigt, arbeiten die Wissenschaflter:innen dennoch implizit mit Annahmen zur Literalität der Befragten. Diese Annahmen sind in ein Bündel von Praktiken eingebunden, das sich in der qualitativen und in der quantitativen Forschung jeweils spezifisch auf die Herstellung von Verstehen ausrichtet.