Voraussetzungen einer neuen Erinnerungskultur in der (Post-)Migrationsgesellschaft
摘要
Debatten über die Verwendung der Begriffe „Holocaust“, „Shoah“ und „Genozid“ geraten sowohl in gedächtnistheoretischer und geschichtswissenschaftlicher als auch in literaturwissenschaftlicher und pädagogischer Perspektive in den Blick. Der „Holocaust“-Begriff wird im Spannungsfeld zwischen universalistischer Inanspruchnahme, partikularer Beschreibung differenter historischer Geschehnisse und Verteidigung der Singularitätsthese kritisch diskutiert. In diesem Zusammenhang arbeitet das Kapitel die unterschiedlichen Blickwinkel der Diskussionen in Deutschland, dem Land der Täter-Nachfahr*innen, und in den US-amerikanisch geprägten Genocide Studies heraus. Die Einführung des Terminus’ „Genozid“ durch den polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin wird (wissenschafts-)historisch eingeordnet und mit dem Fokus auf die spezifischen Funktionen der Begriffsverwendung für das Gattungskonzept „Holocaust- und Genozid-Jugendliteratur“ kontextualisiert. Für den literaturdidaktischen Diskurs über die gemeinsame Behandlung von jugendliterarischen Texten über den Holocaust und ‚andere‘ Genozide im Kontext einer (post-)migrantisch zu erweiternden Erinnerungskultur erweisen sich zum einen die Debatten über Begriffsverwendungen als Kristallisationspunkt. Zum anderen erscheint – vor dem Hintergrund gedächtnistheoretischer Positionen und Diskurse der Postkolonialen Studien – ein genauer Blick auf die miteinander verwobenen Gedächtnisse der Shoah und anderer Genozide als erinnerungskulturell bedeutsam. Schließlich werden exemplarisch – auf der Folie dieser Verwobenheit der Gedächtnisse – die einzelnen, in den jugendliterarischen Texten behandelten Genozide im Blick auf die historischen Fakten und die erinnerungskulturellen sowie erinnerungspolitischen Diskurse vorgestellt.