Dieses Kapitel greift den Umstand auf, dass wir uns – insbesondere im Kontext des persönlichen Lebens – mit der Frage der personalen Identität auseinandersetzen müssen, bevor wir lebensweltliche Argumente diskutieren. Die hierzu dargelegte Position ist, dass im Laufe eines Lebens zu jedem Zeitpunkt eine andere Person anwesend ist – aber, dass jede neue Person die alten Versionen ihrer selbst als Bestandteile enthält. Dieser Ansatz wird als „Stack-Theory“ der personalen Identität bezeichnet und ist von Ted Siders „Stage-Theory“ inspiriert. Diese „Stack-Theory“ hat den Vorteil, dass eine sehr enge Verbindung – als Bestandteil – zwischen mir jetzt und meinen früheren Versionen besteht; und dennoch, anders als in der „Stage-Theory“, in jedem Moment ein substanzielles Selbst voll präsent ist. Dann wird argumentiert, dass diese Denkweise für unser persönliches Leben weniger problematisch ist, als es zunächst erscheinen mag, da es – in den Worten von Ursula K. Le Guin – emotional möglich und sogar positiv für uns ist, „mit der Zeit zu arbeiten, anstatt gegen sie“. Abschließend wird die Rolle des Gedächtnisses genauer untersucht und analog zur Wahrnehmung eingeordnet – in dem Sinne, dass eine wahre Erinnerung einer wahren Wahrnehmung insofern ähnelt, als sie uns mit einer wirklich existierenden Sache verbindet – in Fall einer wahren Erinnerung eben mit einem Moment aus der existierenden Vergangenheit.

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Wie funktioniert persönliche Identität, wenn die Vergangenheit noch existiert?

  • Benjamin Andrae

摘要

Dieses Kapitel greift den Umstand auf, dass wir uns – insbesondere im Kontext des persönlichen Lebens – mit der Frage der personalen Identität auseinandersetzen müssen, bevor wir lebensweltliche Argumente diskutieren. Die hierzu dargelegte Position ist, dass im Laufe eines Lebens zu jedem Zeitpunkt eine andere Person anwesend ist – aber, dass jede neue Person die alten Versionen ihrer selbst als Bestandteile enthält. Dieser Ansatz wird als „Stack-Theory“ der personalen Identität bezeichnet und ist von Ted Siders „Stage-Theory“ inspiriert. Diese „Stack-Theory“ hat den Vorteil, dass eine sehr enge Verbindung – als Bestandteil – zwischen mir jetzt und meinen früheren Versionen besteht; und dennoch, anders als in der „Stage-Theory“, in jedem Moment ein substanzielles Selbst voll präsent ist. Dann wird argumentiert, dass diese Denkweise für unser persönliches Leben weniger problematisch ist, als es zunächst erscheinen mag, da es – in den Worten von Ursula K. Le Guin – emotional möglich und sogar positiv für uns ist, „mit der Zeit zu arbeiten, anstatt gegen sie“. Abschließend wird die Rolle des Gedächtnisses genauer untersucht und analog zur Wahrnehmung eingeordnet – in dem Sinne, dass eine wahre Erinnerung einer wahren Wahrnehmung insofern ähnelt, als sie uns mit einer wirklich existierenden Sache verbindet – in Fall einer wahren Erinnerung eben mit einem Moment aus der existierenden Vergangenheit.