Kapitel 6 bildet den theoretischen Überbau der Arbeit. Es entfaltet zunächst das Wesen von Organisationen und zeigt, wie sie als soziale Systeme mit Zielen, Strukturen und Grenzen funktionieren. Darauf folgt die Analyse ihres Verhältnisses zur Umwelt, in dem Unternehmen nicht nur reagierend, sondern auch gestaltend auftreten. Kommunikation wird dabei als zentrale Form organisationaler Anschlussfähigkeit beschrieben. Im nächsten Schritt werden Akteursmodelle eingeführt, die verdeutlichen, wie unterschiedliche Handlungsträger Entscheidungen prägen: Individuen, deren Rollen, Präferenzen und Emotionen über bloße Nutzenmaximierung hinausweisen, kollektive Akteure, die gemeinsame Werte und Interessen bündeln, sowie korporative Akteure, die als formale Organisationen selbst handlungsfähig werden. Damit wird deutlich, dass der Homo Oeconomicus in der Realität „ausgestorben“ ist. Entscheidungen entstehen nicht aus vollkommener Rationalität, sondern aus einer Gemengelage sozialer Rollen, normativer Erwartungen und situativer Deutungen. Daran anschließend werden Entscheidungsmodelle unter Bedingungen von Sicherheit, Unsicherheit und Risiko dargestellt. Sie machen sichtbar, dass Entscheidungsprozesse selten auf vollständiger Information beruhen, sondern durch begrenzte Rationalität, Routinen und heuristische Vereinfachungen geprägt sind. In den Entscheidungskorridoren verdichten sich diese Faktoren zu strukturellen Leitplanken organisationaler Wahlhandlungen. Damit werden zentrale Konzepte der Organisationssoziologie sowie der Akteurs- und Entscheidungstheorie zu einem Analysegerüst zusammengeführt, das der späteren empirischen Untersuchung Orientierung gibt. Es zeigt, dass die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in KMU nur dann verstanden werden kann, wenn die Logik organisationaler Strukturen, die Dynamik von Entscheidungsprozessen und die Begrenztheit unternehmerischer Rationalität zusammengedacht werden, und bildet so den Schlüssel zum Verständnis der empirischen Ergebnisse.

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Organisationssoziologische Theorieansätze zu Handlungsweisen und Dynamiken in Unternehmen

  • Katja Knauthe

摘要

Kapitel 6 bildet den theoretischen Überbau der Arbeit. Es entfaltet zunächst das Wesen von Organisationen und zeigt, wie sie als soziale Systeme mit Zielen, Strukturen und Grenzen funktionieren. Darauf folgt die Analyse ihres Verhältnisses zur Umwelt, in dem Unternehmen nicht nur reagierend, sondern auch gestaltend auftreten. Kommunikation wird dabei als zentrale Form organisationaler Anschlussfähigkeit beschrieben. Im nächsten Schritt werden Akteursmodelle eingeführt, die verdeutlichen, wie unterschiedliche Handlungsträger Entscheidungen prägen: Individuen, deren Rollen, Präferenzen und Emotionen über bloße Nutzenmaximierung hinausweisen, kollektive Akteure, die gemeinsame Werte und Interessen bündeln, sowie korporative Akteure, die als formale Organisationen selbst handlungsfähig werden. Damit wird deutlich, dass der Homo Oeconomicus in der Realität „ausgestorben“ ist. Entscheidungen entstehen nicht aus vollkommener Rationalität, sondern aus einer Gemengelage sozialer Rollen, normativer Erwartungen und situativer Deutungen. Daran anschließend werden Entscheidungsmodelle unter Bedingungen von Sicherheit, Unsicherheit und Risiko dargestellt. Sie machen sichtbar, dass Entscheidungsprozesse selten auf vollständiger Information beruhen, sondern durch begrenzte Rationalität, Routinen und heuristische Vereinfachungen geprägt sind. In den Entscheidungskorridoren verdichten sich diese Faktoren zu strukturellen Leitplanken organisationaler Wahlhandlungen. Damit werden zentrale Konzepte der Organisationssoziologie sowie der Akteurs- und Entscheidungstheorie zu einem Analysegerüst zusammengeführt, das der späteren empirischen Untersuchung Orientierung gibt. Es zeigt, dass die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in KMU nur dann verstanden werden kann, wenn die Logik organisationaler Strukturen, die Dynamik von Entscheidungsprozessen und die Begrenztheit unternehmerischer Rationalität zusammengedacht werden, und bildet so den Schlüssel zum Verständnis der empirischen Ergebnisse.