Epistemologische Brüche in der Psychologie und ihre pädagogische Bedeutung
摘要
Bachelard folgt einer erkenntnistheoretischen Betrachtungsweise, die er bei Léon Brunschvicg kennenlernt, die Objekte der Wissenschaft nicht unabhängig vom forschenden Geist zu verstehen, sondern in Abhängigkeit von ihm. Wie Eva Schürmann erkennt, kommt so eine psychologische Bedeutung auf, mit der der „Geist“ „terminologisch nicht von Bewusstsein oder Denken unterschieden werden“ kann; „seine Tätigkeit besteht auf jeden Fall darin, sich intentional aufs Fiktive, Abwesende oder Mögliche ausrichten zu können und andere Welten zu vergegenwärtigen“ (Schürmann 2023, S. 772). Bachelard erweitert Brunschvicgs kantianisches Verständnis um den Einfluss der Labore und der Technik in den (Natur-)Wissenschaften, die in erstaunlichen Sprüngen bislang Unsichtbares sichtbar werden ließen. Wir lernen sie kennen als Phänomenotechniken. Für die Erkenntnistheorie selbst hat dies einige weitreichende Konsequenzen. Während viele psychologische Ansätze noch immer die Denkweise des Programmierens auf das Gebiet der Lernpsychologie übertragen, nehmen neuere Ansätze – etwa für den klinischen Bereich – davon Abstand und arbeiten an den Vorstellungen einer „zirkularen Kausalität“ (Fuchs 2023, S. 13). Hiermit ist gemeint, dass „der Organismus oder das lebendige System seine Komponenten in übergeordnete Funktionen einbindet“ (ebd., S. 86) und dass „die Komponenten ihrerseits so zusammen[wirken], dass die übergreifenden Prozesse zustande kommen“ (ebd., S. 87). Dieses Ineinandergreifen von oben nach unten und von unten nach oben zu verstehen, bedeutet nach Thomas Fuchs (ebd., S. 21), dass man die „Vorstellung aufgeben [muss], dass Gene und neuronale Verschaltungen nach der Art von Bauplänen unser Leben bestimmen“ – man hört auf, ihnen irrtümlicherweise ein „kausales Primat“ zuzuschreiben. Diese zurückgewiesene Kausalitätsvorstellung betrifft zugleich eine Ursachenzentrierung auf den sogenannten Geist, der im Bewusstsein zu hocken scheint. Die Logik entspringt dabei dem Bild des Bauplans und den daraus abgeleiteten Vorstellungen. Ein Plan ist hier nichts anderes als der materialisierte Geist, er ist das gestaltende Prinzip, die entscheidende, alles umfassende Idee und das Steuerungsmodul, weshalb man auf ihn die Kraft und die Macht projiziert, ursächlich auf das Nicht-Geformte, das Rohmaterial, wirken zu können. Die Kritik am ‚Ursprungs-Ich‘ und an der Bewusstseinszentriertheit der Philosophie betrifft auch die Erkenntnistheorie.