Bachelards Interventionen und sein neuartiger Zugang zu den Erkenntnisfragen werden im Zuge einer pädagogischen Lektüre dar- und erstmals für die Pädagogik im deutschsprachigen Raum in ihrer Breite zur Diskussion gestellt. In der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft erleben die Schriften Bachelards in den letzten Jahren vereinzelt Aufmerksamkeit (Herzog 1995; Bramberger 2013; Tenorth 2016; Casale 2020; Langemeyer 2020; Ebner von Eschenbach 2021a; Obex und Forster 2021). In diesem Band aus der Reihe „Pädagogische Lektüren“ des Springer-Verlags berühmter Intellektueller geht es nicht einfach darum, Bachelards Philosophie für die Pädagogik zu lesen. Natürlich könnte man ihn als einen von vielen Berühmten aus der Vergangenheit heute der Fachwelt – insbesondere in der Erziehungswissenschaft – darbieten, so als möchte man sein Bildnis zu einer Ahnengalerie hinzufügen und sagen: „Hier haben wir noch jemanden, der zur Pädagogik etwas Bedeutendes beigetragen hat“. Besonders ist jedoch seine Wissenschaftsphilosophie, die nicht ohne sein pädagogisches Engagement verstanden werden kann und nicht ohne seine radikale Haltung, „strikte Wissens- und Belehrungspositionen“ (Bramberger 2013, S. 183) aufzulösen. Bachelards Pädagogik lebt von der Überzeugung, dass der Prozess der Erziehung und Bildung – insbesondere bei erkenntnistheoretischen Fragen – durch seine prinzipielle Offenheit und Entwicklungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Man muss deshalb mit Nachdruck darauf hinweisen, dass bei Bachelard Epistemologie und Pädagogik wie die zwei Seiten einer Medaille untrennbar sind und nicht einfach ein Additum oder ein Kompositum darstellen

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„Ohne großen Respekt vor der Schulwahrheit“ – Warum wir Gaston Bachelard lesen

  • Ines Langemeyer,
  • Malte Ebner von Eschenbach

摘要

Bachelards Interventionen und sein neuartiger Zugang zu den Erkenntnisfragen werden im Zuge einer pädagogischen Lektüre dar- und erstmals für die Pädagogik im deutschsprachigen Raum in ihrer Breite zur Diskussion gestellt. In der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft erleben die Schriften Bachelards in den letzten Jahren vereinzelt Aufmerksamkeit (Herzog 1995; Bramberger 2013; Tenorth 2016; Casale 2020; Langemeyer 2020; Ebner von Eschenbach 2021a; Obex und Forster 2021). In diesem Band aus der Reihe „Pädagogische Lektüren“ des Springer-Verlags berühmter Intellektueller geht es nicht einfach darum, Bachelards Philosophie für die Pädagogik zu lesen. Natürlich könnte man ihn als einen von vielen Berühmten aus der Vergangenheit heute der Fachwelt – insbesondere in der Erziehungswissenschaft – darbieten, so als möchte man sein Bildnis zu einer Ahnengalerie hinzufügen und sagen: „Hier haben wir noch jemanden, der zur Pädagogik etwas Bedeutendes beigetragen hat“. Besonders ist jedoch seine Wissenschaftsphilosophie, die nicht ohne sein pädagogisches Engagement verstanden werden kann und nicht ohne seine radikale Haltung, „strikte Wissens- und Belehrungspositionen“ (Bramberger 2013, S. 183) aufzulösen. Bachelards Pädagogik lebt von der Überzeugung, dass der Prozess der Erziehung und Bildung – insbesondere bei erkenntnistheoretischen Fragen – durch seine prinzipielle Offenheit und Entwicklungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Man muss deshalb mit Nachdruck darauf hinweisen, dass bei Bachelard Epistemologie und Pädagogik wie die zwei Seiten einer Medaille untrennbar sind und nicht einfach ein Additum oder ein Kompositum darstellen