Zur Fragilität der Deutungshoheit innerhalb ästhetischer Erfahrung
摘要
Der Beitrag analysiert eine performative Versuchsanordnung, in der Teilnehmende durch eine erzählerisch zugespitzte Inszenierung gezielt emotional affiziert werden, um Mechanismen medialer Rührungsproduktion sichtbar zu machen. Im Rückgriff auf Herbert Marcuses Kritik „falscher Bedürfnisse“ sowie Robert C. Roberts’ Emotionstheorie wird gezeigt, wie Emotionen durch gelenkte Deutungsprozesse (construal) und vorausliegende existentielle Anliegen (concern) bewusst erzeugt werden können. Die so entstehenden „falschen Emotionen“ verweisen auf eine ästhetisch und ökonomisch instrumentalisierte Berührungskultur, in der affektive Beteiligung nicht Selbstzweckt, sondern Mittel zur Steuerung von Wahrnehmung und Entscheidung ist.