Der Erste Weltkrieg stellte auch für historische Soziologen der kriegführenden Mittelmächte, wie Max und Alfred Weber, Otto Bauer und Norbert Elias, eine Zäsur dar. Wie stehen ihre Erfahrungen zu ihren theoretischen Überzeugungen? Wie sahen sie, in zeitdiagnostischen Äußerungen ebenso wie in weiter gespannten Gesellschaftsanalysen, die Ursachen und die Folgen dieses Krieges für die Verliererstaaten bzw. des Krieges im allgemeineren Sinn? Wie sahen sie das durch die Niederlage veränderte Beziehungsgeflecht von Staat, Nation und Klasse in geopolitischer Verschränkung, vor dem Hintergrund heute aktueller Diskurse, die zum Teil direkt auf sie Bezug nehmen? In Übereinstimmung wie im Dissens bilden die hier behandelten Äußerungen auch heute noch eine relevante Grundlage für die soziologische Diskussion zur Rolle von Nationalismus, Staatenkonkurrenz und zum Aufbau der inneren Herrschaftsorganisation für den Krieg und im Frieden danach. Ursachen und Folgen des Krieges werden zeitdiagnostisch stärker behandelt als der Krieg selbst; die Zeitdiagnosen stützen sich dabei auf die historischen Langfristanalysen weniger, als man erwarten könnte. Die Erfahrung des Weltkriegs selbst führt – mit der Ausnahme von Elias – kaum zu einer stärkeren Gewichtung des Kriegs als Zentralkategorie soziologischen Denkens und Forschens.

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Die Verarbeitung der Weltkriegserfahrung in der deutschsprachigen Soziologie 1918–1939: Ein Vergleich der Anschauungen von Alfred und Max Weber, Otto Bauer und Norbert Elias

  • Helmut Kuzmics

摘要

Der Erste Weltkrieg stellte auch für historische Soziologen der kriegführenden Mittelmächte, wie Max und Alfred Weber, Otto Bauer und Norbert Elias, eine Zäsur dar. Wie stehen ihre Erfahrungen zu ihren theoretischen Überzeugungen? Wie sahen sie, in zeitdiagnostischen Äußerungen ebenso wie in weiter gespannten Gesellschaftsanalysen, die Ursachen und die Folgen dieses Krieges für die Verliererstaaten bzw. des Krieges im allgemeineren Sinn? Wie sahen sie das durch die Niederlage veränderte Beziehungsgeflecht von Staat, Nation und Klasse in geopolitischer Verschränkung, vor dem Hintergrund heute aktueller Diskurse, die zum Teil direkt auf sie Bezug nehmen? In Übereinstimmung wie im Dissens bilden die hier behandelten Äußerungen auch heute noch eine relevante Grundlage für die soziologische Diskussion zur Rolle von Nationalismus, Staatenkonkurrenz und zum Aufbau der inneren Herrschaftsorganisation für den Krieg und im Frieden danach. Ursachen und Folgen des Krieges werden zeitdiagnostisch stärker behandelt als der Krieg selbst; die Zeitdiagnosen stützen sich dabei auf die historischen Langfristanalysen weniger, als man erwarten könnte. Die Erfahrung des Weltkriegs selbst führt – mit der Ausnahme von Elias – kaum zu einer stärkeren Gewichtung des Kriegs als Zentralkategorie soziologischen Denkens und Forschens.