René König zählte nach 1945 zu den einflussreichsten Soziologen der Bundesrepublik Deutschland. Die hier analysierten prägenden Jahre seiner intellektuellen Entwicklung in der Zwischenkriegszeit zeigen, dass sein späteres soziologisches Programm tief in den 1920er und 1930er-Jahren verwurzelt war. Früh geprägt durch seine bilinguale Erziehung sowie sein Interesse an Kunst und Literatur, entwickelte König eine kulturrelativistische Perspektive und gelangte über den französischen Naturalismus zur Soziologie. In Berlin studierte er unter anderem bei Max Dessoir und Richard Thurnwald, kam in engen Kontakt mit der französischen Soziologie und publizierte über die Durkheim-Schule. Zwischenzeitlich näherte sich König ideologisch dem konservativ-existenzialistischen Geist des George-Kreises an und veröffentlichte Mitte der 1930er-Jahre kulturpolitische Schriften, die eine opportunistische Nähe zur NS-Weltanschauung aufwiesen – von der er sich jedoch bald distanzierte. Nach seiner Emigration in die Schweiz 1937 wandte er sich einer an Durkheim orientierten, empirisch-reformerischen Soziologie zu. Im Zürcher Exil legte er das Fundament für viele seiner späteren soziologischen Konzepte und die Professionalisierung der westdeutschen Nachkriegssoziologie.

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René König: Die formativen Jahre der Zwischenkriegszeit

  • Stephan Moebius

摘要

René König zählte nach 1945 zu den einflussreichsten Soziologen der Bundesrepublik Deutschland. Die hier analysierten prägenden Jahre seiner intellektuellen Entwicklung in der Zwischenkriegszeit zeigen, dass sein späteres soziologisches Programm tief in den 1920er und 1930er-Jahren verwurzelt war. Früh geprägt durch seine bilinguale Erziehung sowie sein Interesse an Kunst und Literatur, entwickelte König eine kulturrelativistische Perspektive und gelangte über den französischen Naturalismus zur Soziologie. In Berlin studierte er unter anderem bei Max Dessoir und Richard Thurnwald, kam in engen Kontakt mit der französischen Soziologie und publizierte über die Durkheim-Schule. Zwischenzeitlich näherte sich König ideologisch dem konservativ-existenzialistischen Geist des George-Kreises an und veröffentlichte Mitte der 1930er-Jahre kulturpolitische Schriften, die eine opportunistische Nähe zur NS-Weltanschauung aufwiesen – von der er sich jedoch bald distanzierte. Nach seiner Emigration in die Schweiz 1937 wandte er sich einer an Durkheim orientierten, empirisch-reformerischen Soziologie zu. Im Zürcher Exil legte er das Fundament für viele seiner späteren soziologischen Konzepte und die Professionalisierung der westdeutschen Nachkriegssoziologie.