Die in Österreich vorrangig diskutierten Themen im Bereich der Arbeitswelt betrafen den Arbeiterschutz und die Arbeiterrechte im Sinne einer Sozialisierung durch Sozialpolitik, die Einstellung zu und die Entwicklung der Arbeiterbewegung, sowie den Wandel der Arbeiterklasse durch die Zunahme der Zahl der Angestellten. Empirische Untersuchungen beschäftigten sich mit Arbeits- und Lebensverhältnissen von Arbeitergruppen und von Arbeitslosen und ihrer Einstellung zur Arbeiterbewegung. Hierzu zählen die Untersuchungen von Käthe Leichter im Rahmen der Wiener Arbeiterkammer, besonderes Interesse fand die sog. Marienthal-Studie über die Erfahrung der Arbeitslosigkeit im Rahmen des „arbeitslosen Dorfes“. Die Thematik führte auch nach der Emigration der Studienleiter zu Folgestudien. In den 1930er-Jahren rückten dann Sichtweisen in den Vordergrund, die die Arbeit im Rahmen einer ständischen Gesellschaftsordnung behandelten und auf die Entproletarisierung der Arbeiterschaft abzielten. Generell waren die Kommentare und Untersuchungen in der Zwischenkriegszeit in Österreich auf Grund der realen wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf praktisch-politische Lösungen ausgerichtet und daher auch durch den jeweiligen ideologisch-politischen Standort beeinflusst. Die deutsche Arbeits- und Betriebssoziologie hatte wenig Resonanz, die Bedeutung der österreichischen Diskussionen lag vielmehr in der Betonung des gesamtgesellschaftlichen Bezugs und der Orientierung an Lebenslagen der Arbeiterschaft. Sie zielten nicht auf (betriebliche) Arbeitsforschung, sondern auf Arbeiterforschung.

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Arbeiterforschung und Industriesoziologie in der Zwischenkriegszeit in Österreich

  • Gertraude Mikl-Horke

摘要

Die in Österreich vorrangig diskutierten Themen im Bereich der Arbeitswelt betrafen den Arbeiterschutz und die Arbeiterrechte im Sinne einer Sozialisierung durch Sozialpolitik, die Einstellung zu und die Entwicklung der Arbeiterbewegung, sowie den Wandel der Arbeiterklasse durch die Zunahme der Zahl der Angestellten. Empirische Untersuchungen beschäftigten sich mit Arbeits- und Lebensverhältnissen von Arbeitergruppen und von Arbeitslosen und ihrer Einstellung zur Arbeiterbewegung. Hierzu zählen die Untersuchungen von Käthe Leichter im Rahmen der Wiener Arbeiterkammer, besonderes Interesse fand die sog. Marienthal-Studie über die Erfahrung der Arbeitslosigkeit im Rahmen des „arbeitslosen Dorfes“. Die Thematik führte auch nach der Emigration der Studienleiter zu Folgestudien. In den 1930er-Jahren rückten dann Sichtweisen in den Vordergrund, die die Arbeit im Rahmen einer ständischen Gesellschaftsordnung behandelten und auf die Entproletarisierung der Arbeiterschaft abzielten. Generell waren die Kommentare und Untersuchungen in der Zwischenkriegszeit in Österreich auf Grund der realen wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf praktisch-politische Lösungen ausgerichtet und daher auch durch den jeweiligen ideologisch-politischen Standort beeinflusst. Die deutsche Arbeits- und Betriebssoziologie hatte wenig Resonanz, die Bedeutung der österreichischen Diskussionen lag vielmehr in der Betonung des gesamtgesellschaftlichen Bezugs und der Orientierung an Lebenslagen der Arbeiterschaft. Sie zielten nicht auf (betriebliche) Arbeitsforschung, sondern auf Arbeiterforschung.