Der zentrale Unterschied zwischen konfuzianischer und westlicher liberaler Gerechtigkeit besteht darin, dass aus konfuzianischer Sicht das „Ich“-Bewusstsein des Einzelnen bisher nicht von den komplizierten verschiedenen ethischen Rollen wie „Vater“, „Sohn“ oder „Freund“ erfolgreich abstrahiert werden konnte: Die Pflicht eines Einzelnen gegenüber anderen Einzelnen muss hinsichtlich der betroffenen ethischen Beziehung also immer als konkrete Sittenpflicht erachtet und zudem gemäß einer Rangfolge proaktiv erfüllt werden. In Kapitel 4 beschäftigt sich die Arbeit hauptsächlich mit der liberalen Bedeutung von „Individuum“, das entweder als eine an bestimmten Vorteilen oder Interessen orientierte sinnliche rationale Einheit (bei Thomas Hobbes und John Stuart Mill) oder als eine an der inneren Sittenpflicht des Subjekts ausgerichtete moralische vernünftige Einheit (bei Immanuel Kant und John Rawls) gilt. Der Schwerpunkt dieser liberalen individuellen Rechte liegt vorwiegend auf der negativen Freiheit jedes unabhängigen Individuums. Durch Vergleichen konfuzianischer mit westlicher liberaler Gerechtigkeit wird am Ende von Kapitel 4 dargelegt, welches alternative Verständnis von Rechten, Gleichheit und Freiheit sich aus einer Auffassung gleicher Rechte ergibt, die im Kern auf familiären Beziehungen basiert und jedem Einzelnen die vorrangige Erfüllung familiärer Pflichten zuschreibt? wie sich eine auf familiären Beziehungen gegründete, konfuzianische Auffassung gleicher Rechte verstehen lässt, die sich von den liberalen, zwischen unabhängigen Individuen konzipierten gleichen negativen Freiheitsrechten unterscheidet? warum liberale Freiheit bzw. negative Freiheit eines jeden unabhängigen Individuums nicht als universeller Wert gelten kann.

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„Gerechtigkeit“ in Bezug auf die liberale Bürger-Bürger- und Staat-Bürger-Beziehung

  • Botao Wang

摘要

Der zentrale Unterschied zwischen konfuzianischer und westlicher liberaler Gerechtigkeit besteht darin, dass aus konfuzianischer Sicht das „Ich“-Bewusstsein des Einzelnen bisher nicht von den komplizierten verschiedenen ethischen Rollen wie „Vater“, „Sohn“ oder „Freund“ erfolgreich abstrahiert werden konnte: Die Pflicht eines Einzelnen gegenüber anderen Einzelnen muss hinsichtlich der betroffenen ethischen Beziehung also immer als konkrete Sittenpflicht erachtet und zudem gemäß einer Rangfolge proaktiv erfüllt werden. In Kapitel 4 beschäftigt sich die Arbeit hauptsächlich mit der liberalen Bedeutung von „Individuum“, das entweder als eine an bestimmten Vorteilen oder Interessen orientierte sinnliche rationale Einheit (bei Thomas Hobbes und John Stuart Mill) oder als eine an der inneren Sittenpflicht des Subjekts ausgerichtete moralische vernünftige Einheit (bei Immanuel Kant und John Rawls) gilt. Der Schwerpunkt dieser liberalen individuellen Rechte liegt vorwiegend auf der negativen Freiheit jedes unabhängigen Individuums. Durch Vergleichen konfuzianischer mit westlicher liberaler Gerechtigkeit wird am Ende von Kapitel 4 dargelegt, welches alternative Verständnis von Rechten, Gleichheit und Freiheit sich aus einer Auffassung gleicher Rechte ergibt, die im Kern auf familiären Beziehungen basiert und jedem Einzelnen die vorrangige Erfüllung familiärer Pflichten zuschreibt? wie sich eine auf familiären Beziehungen gegründete, konfuzianische Auffassung gleicher Rechte verstehen lässt, die sich von den liberalen, zwischen unabhängigen Individuen konzipierten gleichen negativen Freiheitsrechten unterscheidet? warum liberale Freiheit bzw. negative Freiheit eines jeden unabhängigen Individuums nicht als universeller Wert gelten kann.