„Gerechtigkeit“ in konfuzianischer Tradition
摘要
In der Geschichte der Rechtsphilosophie ist die Bedeutung des Gerechtigkeitsbegriffs unterschiedlich beurteilt worden. Rechtspositivisten hielten die Frage nach Gerechtigkeit für nicht relevant. Hingegen war der Begriff Gerechtigkeit für antike klassische Philosophen und Naturrechtler zentral in ihrer Rechtsphilosophie. Konfuzianische Gerechtigkeit, die auf den Glauben an den Himmel zurückgeht, ein gerechtfertigtes Ziel über alle positiven Rechte stellt und daher auch als eine Art des Naturrechts definiert werden kann, ist eine der einflussreichsten Lehren in der chinesischen Geschichte. Die in dieser Arbeit erörterte konfuzianische Gerechtigkeit bezieht sich nicht auf jene Auffassungen, die einzelne konfuzianische Gelehrte auf Grundlage ihrer eigenen Forschungen und Interpretationen entwickelt haben, sondern vor allem auf jene Form der konfuzianischen Gerechtigkeit innerhalb der konfuzianischen Tradition, die in der traditionellen chinesischen Gesellschaft offiziell als Recht anerkannt war und gesetzlich durchgesetzt werden konnte. Diese konfuzianischen Traditionen stammen zwar aus den konfuzianischen Schriften von Denkern wie Konfuzius und Menzius, die von den Herrschern der Dynastien als „orthodox“ angesehen wurden, aber auch aus dem Verständnis der Gesetzesbücher der chinesischen Dynastien – beispielsweise im Gesetzbuch der Qing-Dynastie – sowie der Analyse der Gerechtigkeitsverhältnisse in der traditionellen chinesischen Gesellschaft.