Die biblische Subversion des Krieges. Ironie und Opfer als biblischer Beitrag zu einem europäischen Friedensnarrativ
摘要
Georg Essen vertritt in seinem Denken ein Souveränitätsverständnis, welches auf den Gedanken der Freiheit im Sinne einer Selbstbestimmung aller beruht. Die Freiheit stellt dabei die entscheidende Sinnressource des modernen Staates dar und ist demgemäß auch das substantielle Band, welches alle Staatbürger:innen verbindet. Der vorliegende Artikel versucht in Ergänzung zum Freiheitsgedanken, der wie Hegels Phänomenologie des Geistes zeigt, in der Gefahr einer nihilistischen Verkehrung in einen sinnentleerten Terror steht, wenn er nicht mit einer grundlegenden Machtkritik einhergeht, die Vision eines umfassenden Friedens nachzuzeichnen. Dieser Friede, wie er in der biblischen Tradition entwickelt wird und die Essenz der Europäischen Union ausmacht, verbindet sich mit einem antiimperialen Gestus, der kriegerischer Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen kritisch gegenübersteht. Von besonderer Bedeutung für den Friedensgedanken sind die biblische Ironie, die Herrschaftssymbole subvertiert und außer Kraft setzt und das biblische Opferverständis, welches an die Stelle des paganen Opfers, welches den Tod als Adressaten hat, eine Ethik des Lebens setzt, die eine klare Absage an jedes Opfer imperialer Macht zum Ausdruck bringt.