Von den Autonomiewelten der Moderne zu den Sinnwelten der Religion
摘要
Die im neuesten Werk von Georg Essen differenziert analysierte Anerkennung der Volkssouveränität als Begründung des demokratischen, auf die Menschenrechte verpflichteten Staates wird auf ihre Kernbegriffe untersucht und zu den nicht nur bestandsbewahrenden, sondern auch innovativen Wirkungen der christlichen Traditionsentwicklung in Beziehung gesetzt. Religionen können die innere Freiheit der Subjekte bestärken, auf die es angesichts der „Fragilität“ des Staates ankommt. Vier zentrale Konzeptionen werden angefragt: zunächst, welcher Rechtsbegriff bei der Begründung des Staates auf das Recht leitend ist; sodann die für die Demokratie ebenso wie für den Gottesglauben als konstitutiv beanspruchte Konzeption von „Anerkennung“. Weiter wird die Ausrichtung auf „Sinn“ als Movens für Subjekte und Gemeinschaften daraufhin untersucht, ob es hier nicht eines Methodenwechsels bedarf: Wenn es auf der konkreten, historischen Ebene um die Freiheit als Bezugspunkt der Demokratiedebatten gehen soll, scheint die Ausarbeitung einer Hermeneutik gefordert zu sein, die den Vermittlungsstatus von Kultur und Religion für den Weltbezug der Subjekte erhellt. Abschließend wird Essens Auszeichnung des Begriffs der „Rechtfertigung“ als Brückenkategorie zwischen demokratischer Staatsbürgerrolle und der theologischen Bestimmung des Heilshandelns Gottes am Menschen diskutiert. Ob „Rechtfertigung“ als Kurzformel für jede dieser beiden Hinsichten angemessen ist und welche Alternativen sich anbieten, wird zum Schluss im Blick auf Freiheit als eine Gelingensvoraussetzung von „fragiler Souveränität” behandelt.