Eines der grundlegenden Themen der Moderne und insbesondere der Beziehung zwischen Moderne und „vormoderner“ Epoche ist das Thema Autorität. Unser Verständnis von Autorität ist eng mit anderen zentralen Aspekten des politischen und gesellschaftlichen Lebens verbunden, wie beispielsweise der Natur der Repräsentation, den Naturrechten, der Zustimmung und den Grundlagen des Gesetzes. All dies findet jedoch im zeitgenössischen Kontext statt, also an einem bestimmten Punkt in der Geschichte. Für die Römisch-Katholische Kirche bedeutet dies, dass es häufig eine Kluft zwischen den zeitgenössischen soziokulturellen Erwartungen und denen gibt, von denen die institutionelle Kirche ausgeht. Letztendlich steht das vorherrschende kirchliche social imaginary im Widerspruch zum „modernen” social imaginary. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern das spezifische social imaginary, das vom kanonischen Recht vorausgesetzt und geschaffen wird, in einem extrinsischen Gottesbegriff als Grundlage für die Autorität in der Kirche verwurzelt ist. In dem Aufsatz werden zunächst die Merkmale des „modernen social imaginary” nach Charles Taylor dargestellt und aufgezeigt, inwiefern sich das vom kanonischen Recht vorausgesetzte social imaginary davon unterscheidet. Anschließend befasst sich der Beitrag mit den metaphysischen Voraussetzungen, die dem kirchlichen social imaginary zugrunde liegen, insbesondere als eine Form der Hierarchie, die sich aus dem Naturrecht ableitet und von diesem abhängig ist. Der Aufsatz versucht dann aufzuzeigen, wie diese Ontologie in ihrer Sichtweise von Gott und der Beziehung zwischen Gott und der Welt extrinsisch und voluntaristisch ist, wodurch eine vormoderne Auffassung von Autorität in der Kirche aufrechterhalten und die wahrgenommene Diskontinuität zwischen dem kirchlichen und dem zeitgenössischen social imaginary vertieft wird.

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Natürliche Autorität und naturalisierte Theologie: Das Problem der kirchlichen Souveränität und Repräsentation innerhalb eines modernen social imaginary

  • Daniel Minch

摘要

Eines der grundlegenden Themen der Moderne und insbesondere der Beziehung zwischen Moderne und „vormoderner“ Epoche ist das Thema Autorität. Unser Verständnis von Autorität ist eng mit anderen zentralen Aspekten des politischen und gesellschaftlichen Lebens verbunden, wie beispielsweise der Natur der Repräsentation, den Naturrechten, der Zustimmung und den Grundlagen des Gesetzes. All dies findet jedoch im zeitgenössischen Kontext statt, also an einem bestimmten Punkt in der Geschichte. Für die Römisch-Katholische Kirche bedeutet dies, dass es häufig eine Kluft zwischen den zeitgenössischen soziokulturellen Erwartungen und denen gibt, von denen die institutionelle Kirche ausgeht. Letztendlich steht das vorherrschende kirchliche social imaginary im Widerspruch zum „modernen” social imaginary. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern das spezifische social imaginary, das vom kanonischen Recht vorausgesetzt und geschaffen wird, in einem extrinsischen Gottesbegriff als Grundlage für die Autorität in der Kirche verwurzelt ist. In dem Aufsatz werden zunächst die Merkmale des „modernen social imaginary” nach Charles Taylor dargestellt und aufgezeigt, inwiefern sich das vom kanonischen Recht vorausgesetzte social imaginary davon unterscheidet. Anschließend befasst sich der Beitrag mit den metaphysischen Voraussetzungen, die dem kirchlichen social imaginary zugrunde liegen, insbesondere als eine Form der Hierarchie, die sich aus dem Naturrecht ableitet und von diesem abhängig ist. Der Aufsatz versucht dann aufzuzeigen, wie diese Ontologie in ihrer Sichtweise von Gott und der Beziehung zwischen Gott und der Welt extrinsisch und voluntaristisch ist, wodurch eine vormoderne Auffassung von Autorität in der Kirche aufrechterhalten und die wahrgenommene Diskontinuität zwischen dem kirchlichen und dem zeitgenössischen social imaginary vertieft wird.