W.E.B. Du Bois’ umfassende empirische und theoretische Auseinandersetzungen mit der Stadt, sozialräumlicher Ungleichheit und städtischen Migrations- und Verdrängungsprozessen wurden in der soziologischen Stadtforschung bislang nur marginal aufgegriffen und vor allem in Deutschland weitestgehend ignoriert. Dabei bietet Du Bois’ Stadttheorie ein soziologisch tiefgehendes Verständnis urbaner Prozesse und rassistischer Raumproduktionen. Seine Untersuchungen zeigen, dass sozial konstruierte Rassenhierarchien sowie die Ausbeutung rassifizierter Bevölkerungsgruppen die materiellen Bedingungen für die Entwicklung moderner Städte bilden. Dieser Beitrag stellt zunächst Du Bois’ grundlegende Darstellungen der Stadt, die er in The Philadelphia Negro (1899) entwickelt, in den Vordergrund. Diese werden durch Du Bois’ Konzept der Color Line gerahmt, das auch als übergeordnete Strukturierung seines Gesamtwerks in diesem Beitrag dient. Hiernach wird das Wirken Du Bois’ und die Potenziale seines Denkens in gegenwärtige theoretische Strömungen der kritischen Stadt- und Migrationsforschung eingeordnet. Insgesamt positioniert dieser Beitrag Du Bois als einen der „Gründerväter“ der Stadtsoziologie, dessen Arbeit für aktuelle Analysen der Produktion rassifizierter urbaner Räume und städtischer und globaler Mobilität sowie für Debatten um post- und dekolonialen Urbanismus und rassifizierten Kapitalismus von zentraler Bedeutung ist.

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W.E.B. Du Bois

  • René Kreichauf

摘要

W.E.B. Du Bois’ umfassende empirische und theoretische Auseinandersetzungen mit der Stadt, sozialräumlicher Ungleichheit und städtischen Migrations- und Verdrängungsprozessen wurden in der soziologischen Stadtforschung bislang nur marginal aufgegriffen und vor allem in Deutschland weitestgehend ignoriert. Dabei bietet Du Bois’ Stadttheorie ein soziologisch tiefgehendes Verständnis urbaner Prozesse und rassistischer Raumproduktionen. Seine Untersuchungen zeigen, dass sozial konstruierte Rassenhierarchien sowie die Ausbeutung rassifizierter Bevölkerungsgruppen die materiellen Bedingungen für die Entwicklung moderner Städte bilden. Dieser Beitrag stellt zunächst Du Bois’ grundlegende Darstellungen der Stadt, die er in The Philadelphia Negro (1899) entwickelt, in den Vordergrund. Diese werden durch Du Bois’ Konzept der Color Line gerahmt, das auch als übergeordnete Strukturierung seines Gesamtwerks in diesem Beitrag dient. Hiernach wird das Wirken Du Bois’ und die Potenziale seines Denkens in gegenwärtige theoretische Strömungen der kritischen Stadt- und Migrationsforschung eingeordnet. Insgesamt positioniert dieser Beitrag Du Bois als einen der „Gründerväter“ der Stadtsoziologie, dessen Arbeit für aktuelle Analysen der Produktion rassifizierter urbaner Räume und städtischer und globaler Mobilität sowie für Debatten um post- und dekolonialen Urbanismus und rassifizierten Kapitalismus von zentraler Bedeutung ist.