In diesem Beitrag schlage ich eine Verbindung zwischen Raumsoziologie und Subjektivierungsforschung vor, die es erlaubt sowohl die soziale Konstruktion von Räumen als auch die räumliche Konstruktion von Subjekten in ihrer Wechselseitigkeit zu denken. Diese Gleichzeitigkeit von Subjekt- und Raumkonstruktion wird durch den Subjektivitätsbegriff des kommunikativen Konstruktivismus verständlich. Demnach erfahren sich Subjekte selbst und gegenseitig nicht nur aus zweiseitigen (intersubjektiven) Interaktionen. Um sich selbst zu erfahren sind sie vielmehr stets auf einen dritten Bezugspunkt materieller Objektivationen angewiesen. Aus der Perspektive dieser Triade des kommunikativen Handelns sind Räume also keine Epiphänomene sozialen Handelns, sondern inhärente Bestandteile der kommunikativen Konstruktion von Subjektivität. Wie die gewaltigen und gewaltsamen Umordnungen des kolonialen Urbanismus zeigen, sollten koloniale Subjekte auch immer räumlich geformt werden. Versteht man hingegen die Konstruktion von Räumen und Subjekten als gleichzeitig und gleichermaßen aus kommunikativen Interaktionen resultierend, so wird verständlich, warum die Utopien der räumlichen Formung und Kontrolle kolonialer Subjekte nie vollständig gelang. Indem Subjekte die räumlichen Subjektivierungsregime aneignen, unterlaufen und schließlich transformieren, konnten somit gleichzeitig auch neue Subjektpositionen räumlich artikuliert und stabilisiert werden. Durch die Umordnung von Räumen gelangen Subjekte somit auch zu neuen Bildern ihrer Selbst.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Subjekte des Raumes. Koloniale Raumplanung und die kommunikative Konstruktion räumlicher Subjektivierung

  • Jochen Kibel

摘要

In diesem Beitrag schlage ich eine Verbindung zwischen Raumsoziologie und Subjektivierungsforschung vor, die es erlaubt sowohl die soziale Konstruktion von Räumen als auch die räumliche Konstruktion von Subjekten in ihrer Wechselseitigkeit zu denken. Diese Gleichzeitigkeit von Subjekt- und Raumkonstruktion wird durch den Subjektivitätsbegriff des kommunikativen Konstruktivismus verständlich. Demnach erfahren sich Subjekte selbst und gegenseitig nicht nur aus zweiseitigen (intersubjektiven) Interaktionen. Um sich selbst zu erfahren sind sie vielmehr stets auf einen dritten Bezugspunkt materieller Objektivationen angewiesen. Aus der Perspektive dieser Triade des kommunikativen Handelns sind Räume also keine Epiphänomene sozialen Handelns, sondern inhärente Bestandteile der kommunikativen Konstruktion von Subjektivität. Wie die gewaltigen und gewaltsamen Umordnungen des kolonialen Urbanismus zeigen, sollten koloniale Subjekte auch immer räumlich geformt werden. Versteht man hingegen die Konstruktion von Räumen und Subjekten als gleichzeitig und gleichermaßen aus kommunikativen Interaktionen resultierend, so wird verständlich, warum die Utopien der räumlichen Formung und Kontrolle kolonialer Subjekte nie vollständig gelang. Indem Subjekte die räumlichen Subjektivierungsregime aneignen, unterlaufen und schließlich transformieren, konnten somit gleichzeitig auch neue Subjektpositionen räumlich artikuliert und stabilisiert werden. Durch die Umordnung von Räumen gelangen Subjekte somit auch zu neuen Bildern ihrer Selbst.