In einer saturierten, postmateriell-westlichen Welt wird die Bedeutung der Kirche nur allzu häufig auf diejenige von attraktiven Besuchszentren reduziert: So generiert die Visite des Petersdoms in Rom oder des Stefansdoms zu Wien zu einer Pflichtveranstaltung für quasi jeden Touristen. Darüberhinausgehende christliche Präsenzen in tradierten Formen des „Helfens“ und „Heilens“ hierzulande zu identifizieren, da tut man sich mittlerweile deutlich schwerer. Dennoch existieren mit dem Malteser-, dem Johanniter- und dem Deutschen Orden sowie mittlerweile ihren Hilfswerken „Nachfahren“ von Gemeinschaften, die dem Charisma von Helfen und Heilen seit nahezu einem Jahrtausend folgen. Die Wechselwirkung von Misericordia (Barmherzigkeit) und Caritas als uneigennützigem Wohlwollen stellt für diesen Personenkreis bis heute die zentrale Säule des Gesundheitswesens dar. Dieser Beitrag beleuchtet auf der Basis ethischer Aspekte den (historischen) wechselvollen Hintergrund des Deutschen Ordens, einer regularkanonischen, weltoffenen Bruder- und Schwesterngemeinschaft, einer Gruppe von Förderinnen und Förderern, die als deren Familiare bezeichnet werden und einer Mitarbeiterschaft, die allein in Deutschland über knapp 3000 Mitarbeitende umfasst. Die zentrale Frage des Beitrages lautet dabei, welche Ethik, im Kontext des Beitrages auch Spiritualität, vereinigte über viele, wenngleich nicht alle Jahrhunderte umfassende, so unterschiedliche Gruppierungen als Ausgangspunkt ihres „Helfens“ und „Heilens“, das für eine – fast zu – lange Zeit um das „Wehren“ ergänzt war. Und: Kann aus dieser einzigartigen Historizität, der Spiritualität des Ordens und den Leitbildern der Hilfswerke ein zeitgemäßer Verhaltenskodex aller Gruppierungen abgeleitet werden?

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„Helfen“ und „Heilen“ in der Gegenwart – Überlegungen zu einer Ethik ehemaliger geistlicher Ritterorden am Fallbeispiel Deutscher Orden

  • Manfred Cassens,
  • Wolfgang Thasler,
  • Christoph Kehr

摘要

In einer saturierten, postmateriell-westlichen Welt wird die Bedeutung der Kirche nur allzu häufig auf diejenige von attraktiven Besuchszentren reduziert: So generiert die Visite des Petersdoms in Rom oder des Stefansdoms zu Wien zu einer Pflichtveranstaltung für quasi jeden Touristen. Darüberhinausgehende christliche Präsenzen in tradierten Formen des „Helfens“ und „Heilens“ hierzulande zu identifizieren, da tut man sich mittlerweile deutlich schwerer. Dennoch existieren mit dem Malteser-, dem Johanniter- und dem Deutschen Orden sowie mittlerweile ihren Hilfswerken „Nachfahren“ von Gemeinschaften, die dem Charisma von Helfen und Heilen seit nahezu einem Jahrtausend folgen. Die Wechselwirkung von Misericordia (Barmherzigkeit) und Caritas als uneigennützigem Wohlwollen stellt für diesen Personenkreis bis heute die zentrale Säule des Gesundheitswesens dar. Dieser Beitrag beleuchtet auf der Basis ethischer Aspekte den (historischen) wechselvollen Hintergrund des Deutschen Ordens, einer regularkanonischen, weltoffenen Bruder- und Schwesterngemeinschaft, einer Gruppe von Förderinnen und Förderern, die als deren Familiare bezeichnet werden und einer Mitarbeiterschaft, die allein in Deutschland über knapp 3000 Mitarbeitende umfasst. Die zentrale Frage des Beitrages lautet dabei, welche Ethik, im Kontext des Beitrages auch Spiritualität, vereinigte über viele, wenngleich nicht alle Jahrhunderte umfassende, so unterschiedliche Gruppierungen als Ausgangspunkt ihres „Helfens“ und „Heilens“, das für eine – fast zu – lange Zeit um das „Wehren“ ergänzt war. Und: Kann aus dieser einzigartigen Historizität, der Spiritualität des Ordens und den Leitbildern der Hilfswerke ein zeitgemäßer Verhaltenskodex aller Gruppierungen abgeleitet werden?