Politische Kultur und das behaviorale Immunsystem. Der Einfluss von Infektionsangst auf Vertrauen, Fremdenfürchtigkeit und Konservatismus
摘要
Der Beitrag untersucht, inwiefern die Hypothese des behavioralen Immunsystems (BIS), die vorbewusste evolutionäre Anpassungen zur Infektionsvermeidung beschreibt, zur Erklärung politisch-kultureller Einstellungen beitragen kann. Auf Basis der Befragung „Sicherheit und Kriminalität in Sachsen (SKiSAX)“ analysieren die Autoren, ob wahrgenommene pathogene Bedrohung – operationalisiert über Infektionssorgen – mit zwischenmenschlichem Misstrauen, der Ablehnung von Fremdgruppen und konservativen Einstellungen zusammenhängt. Die empirischen Analysen zeigen schwache, aber konsistente Hinweise auf einen positiven Zusammenhang zwischen Infektionssorge und Misstrauen sowie der Ablehnung kulturell fremder Gruppen. Für konservative Einstellungen fällt die Evidenz hingegen uneinheitlich aus. Insgesamt bietet die Studie Indizien für das Vorhandensein und für gesellschaftspolitisch relevante Auswirkungen des BIS. Dies unterstreicht die Relevanz vorbewusster psychologischer Mechanismen nicht nur für die Erklärung politischer Kultur, sondern auch für sozialwissenschaftliche Analyse insgesamt. Angesichts einiger methodischer Limitierung bedarf es aber weiterer Forschung zur konkreten Wirksamkeit des BIS, insbesondere mithilfe von Längsschnittanalysen.