Wahlerfolge, wachsende Personenpotenziale, die Zunahme an Straf-, Gewalt- und Terrortaten – multiple Krisen der Gegenwart und die Konflikte um Themen wie Klimawandel, Migration, Covid-19 und den Ukraine-Krieg haben im vergangenen Jahrzehnt zu einer Verstärkung der vielfältigen Herausforderungen durch den politischen Extremismus für die liberale Demokratie geführt. Welche Auswirkungen sich daraus für das Sicherheitsgefühl der sächsischen Bevölkerung ergeben, ist Gegenstand dieses Beitrags. Die SKiSAX-Daten schaffen dafür erstmalig die Voraussetzungen, denn beim Thema „Extremismusfurcht“ handelt es sich um ein Desiderat der Forschung. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses steht, ob sich das im bundesweiten Vergleich hohe Maß an Extremismus in Sachsen in einer verbreiteten Extremismusfurcht spiegelt, ob es Unterschiede bei den Sorgen und Wahrnehmungen zwischen rechten, linken und islamischen Extremismusvarianten gibt und welche Ursachen sich identifizieren lassen. Dafür ist zunächst der Begriff der „Extremismusfurcht“ zu definieren und zu operationalisieren. Daran anschließend werden die zentralen Befunde für Sachsen herausgearbeitet und mögliche Erklärungsfaktoren offengelegt (Viktimisierung, Medienwirkung, Besonderheiten der politischen Kultur). Die Ergebnisse zeigen einerseits verbreitetere Sorgen der Sächsinnen und Sachsen als dies in den wenigen vergleichbaren Studien für das gesamte Bundesgebiet der Fall ist. Andererseits dominiert im Freistaat die Furcht vor dem Rechtsextremismus, während auf der gesamtdeutschen Ebene der Islamismus überwiegt. Eine wesentliche Erklärung dieser Spezifika dürfte in den Besonderheiten einer von Skepsis und Polarisierung geprägten politischen Kultur Sachsens zu finden sein.

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Gefahr durch Extremismus – Furcht vor Extremismus? Der Hotspot Sachsen und die Wahrnehmungen und Sorgen der Bevölkerung

  • Tom Thieme

摘要

Wahlerfolge, wachsende Personenpotenziale, die Zunahme an Straf-, Gewalt- und Terrortaten – multiple Krisen der Gegenwart und die Konflikte um Themen wie Klimawandel, Migration, Covid-19 und den Ukraine-Krieg haben im vergangenen Jahrzehnt zu einer Verstärkung der vielfältigen Herausforderungen durch den politischen Extremismus für die liberale Demokratie geführt. Welche Auswirkungen sich daraus für das Sicherheitsgefühl der sächsischen Bevölkerung ergeben, ist Gegenstand dieses Beitrags. Die SKiSAX-Daten schaffen dafür erstmalig die Voraussetzungen, denn beim Thema „Extremismusfurcht“ handelt es sich um ein Desiderat der Forschung. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses steht, ob sich das im bundesweiten Vergleich hohe Maß an Extremismus in Sachsen in einer verbreiteten Extremismusfurcht spiegelt, ob es Unterschiede bei den Sorgen und Wahrnehmungen zwischen rechten, linken und islamischen Extremismusvarianten gibt und welche Ursachen sich identifizieren lassen. Dafür ist zunächst der Begriff der „Extremismusfurcht“ zu definieren und zu operationalisieren. Daran anschließend werden die zentralen Befunde für Sachsen herausgearbeitet und mögliche Erklärungsfaktoren offengelegt (Viktimisierung, Medienwirkung, Besonderheiten der politischen Kultur). Die Ergebnisse zeigen einerseits verbreitetere Sorgen der Sächsinnen und Sachsen als dies in den wenigen vergleichbaren Studien für das gesamte Bundesgebiet der Fall ist. Andererseits dominiert im Freistaat die Furcht vor dem Rechtsextremismus, während auf der gesamtdeutschen Ebene der Islamismus überwiegt. Eine wesentliche Erklärung dieser Spezifika dürfte in den Besonderheiten einer von Skepsis und Polarisierung geprägten politischen Kultur Sachsens zu finden sein.