Holger Mattes wurde 1950 in einer westdeutschen Großstadt als eines der jüngsten von zehn Geschwistern, fünf Brüdern und vier Schwestern, geboren. Der Vater, vermutlich auch die Mutter, hatte keine Berufsausbildung. Trotz einer Gymnasialempfehlung verblieb Holger Mattes auf eigenem Wunsch auf der Volksschule. Daran anschließend besuchte er die zweijährige Handelsschule, die er mit der Realschulreife erfolgreich beendete. Er trat nach einer Lehre als Bankkaufmann in ein Angestelltenverhältnis bei einer Privatbank ein, gefolgt von einer Fortbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt an einem Wirtschaftskolleg. Das schwindende Interesse an einem kaufmännischen Beruf bewegte ihn zur Ablegung der Z-Prüfung und der sich anschließenden Aufnahme eines Lehramtstudiums für die Fächer Physik und Geschichte. Die Zeit an der Universität fand er „super“ und „absolut spannend“. Gegen Ende des Studiums gründete er, auch aufgrund der sich abzeichnenden Nichtübernahme in den Staatsdienst, im Rahmen einer Wohngemeinschaft einen Betrieb auf genossenschaftlicher Basis. Dieser ‚alternative‘ Betrieb, eine Bäckerei, war im Kontext der anwachsenden ‚Naturkostbewegung‘ sehr erfolgreich. Zugleich begann Holger Mattes eine theoretisch akzentuierte historisch-naturwissenschaftliche Promotion. Nach dem mit Wehmut vollzogenen Abschied aus dem Alternativbetrieb trat er, nach einer Phase der Arbeitslosigkeit, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einer Landesbehörde an. Hier fand er ‚das Thema seines Lebens‘: Der verbrecherische Umgang mit kranken Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus. Er brach die alte Promotion, deren Umsetzung an der Universität zudem mit Schwierigkeiten einherging, ab und entschied sich für die Untersuchung dieser bislang vernachlässigten Problematik. Diese Promotion schloss Holger Mattes 1996 erfolgreich ab, die gewonnenen Erkenntnisse erzeugten öffentliche Aufmerksamkeit und gaben den Anstoß für die Gründung einer Bildungseinrichtung, die sich unter der Beteiligung von Betroffenen intensiv mit dem Thema beschäftigte.

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Holger Mattes – „Es war dann für uns jungen Leute die Zeit, mit dem Reden aufzuhören und was zu tun“

  • Detlef Garz,
  • Frank Kotterer,
  • Sylke Bartmann,
  • Elisabeth Janssen,
  • Nicos Karydis,
  • Juhyeok Lee,
  • Olaf Zawacki-Richter

摘要

Holger Mattes wurde 1950 in einer westdeutschen Großstadt als eines der jüngsten von zehn Geschwistern, fünf Brüdern und vier Schwestern, geboren. Der Vater, vermutlich auch die Mutter, hatte keine Berufsausbildung. Trotz einer Gymnasialempfehlung verblieb Holger Mattes auf eigenem Wunsch auf der Volksschule. Daran anschließend besuchte er die zweijährige Handelsschule, die er mit der Realschulreife erfolgreich beendete. Er trat nach einer Lehre als Bankkaufmann in ein Angestelltenverhältnis bei einer Privatbank ein, gefolgt von einer Fortbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt an einem Wirtschaftskolleg. Das schwindende Interesse an einem kaufmännischen Beruf bewegte ihn zur Ablegung der Z-Prüfung und der sich anschließenden Aufnahme eines Lehramtstudiums für die Fächer Physik und Geschichte. Die Zeit an der Universität fand er „super“ und „absolut spannend“. Gegen Ende des Studiums gründete er, auch aufgrund der sich abzeichnenden Nichtübernahme in den Staatsdienst, im Rahmen einer Wohngemeinschaft einen Betrieb auf genossenschaftlicher Basis. Dieser ‚alternative‘ Betrieb, eine Bäckerei, war im Kontext der anwachsenden ‚Naturkostbewegung‘ sehr erfolgreich. Zugleich begann Holger Mattes eine theoretisch akzentuierte historisch-naturwissenschaftliche Promotion. Nach dem mit Wehmut vollzogenen Abschied aus dem Alternativbetrieb trat er, nach einer Phase der Arbeitslosigkeit, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einer Landesbehörde an. Hier fand er ‚das Thema seines Lebens‘: Der verbrecherische Umgang mit kranken Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus. Er brach die alte Promotion, deren Umsetzung an der Universität zudem mit Schwierigkeiten einherging, ab und entschied sich für die Untersuchung dieser bislang vernachlässigten Problematik. Diese Promotion schloss Holger Mattes 1996 erfolgreich ab, die gewonnenen Erkenntnisse erzeugten öffentliche Aufmerksamkeit und gaben den Anstoß für die Gründung einer Bildungseinrichtung, die sich unter der Beteiligung von Betroffenen intensiv mit dem Thema beschäftigte.