Die vorliegende Fallrekonstruktion behandelt die Biographie von Helmut Saarstein, der 1949 in Berlin geboren wurde. Die Familie von Herrn Saarstein war fest in Berlin verwurzelt. Bereits die Großeltern väterlicherseits sowie die Großmutter mütterlicherseits kamen vor der Wende zum 19. Jahrhundert dort zur Welt, und auch seine Eltern wurden in Berlin geboren. Helmut Saarstein verbrachte die ersten 16 Lebensjahre in diesem großstädtischen Umfeld im Osten der geteilten Stadt. Als Kind erlebte er die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges, eine zerbombte Häuserlandschaft, die, wie er auf Nachfragen der Interviewerin zu seiner Kindheit erinnerte, neben dem Besuch von Gottesdiensten, prägend für ihn war. Mit sechs jüngeren Schwestern wuchs er als Ältester in einer Großfamilie auf. Sein Umfeld war stark von der Tradition der beruflichen Tätigkeit bei der Reichsbahn sowie einem religiösen, äußerst konservativen Wertesystem geprägt. Der Vater, in zweiter Generation bei der Reichsbahn angestellt, überzeugter Soldat im Zweiten Weltkrieg, und ein religiöser Eiferer mit strenger Hand, sowie seine Mutter, die im starken Kontrast den liebevollen und zärtlichen Gegensatz bildete, übten einen bedeutenden Einfluss auf seine Entwicklung aus. Nach dem Erwerb der Mittleren Reife – Mitte der 1960er-Jahre – zog Helmut Saarstein mit seiner Familie in die Bundesrepublik, ins Ruhrgebiet. Entgegen dem väterlichen Wunsch, ebenfalls zur Bahn zu gehen, absolvierte er zunächst erfolgreich eine Lehre als ‚Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft‘ bzw. als Makler. 1969, nach einer kurzen Anstellung bei einer Sparkasse und der Verweigerung des Militärdienstes, schloss sich der Zivildienst an, gefolgt von weiteren Ausbildungen in der Krankenpflege (1973 bis 1976) und zum Erzieher mit Zusatzqualifikation. Die Erfahrungen im Zivildienst, in einer pädagogischen Einrichtung und der darauffolgenden pädagogischen Berufstätigkeit, markierten Schlüsselmomente für Herrn Saarstein. Die in diesen Einrichtungen erlebten Missstände und Erfahrungen mit Aussonderungsprozessen, die ihn an seine belastenden Kindheitserfahrungen erinnerten, wurden zum Antrieb, sich für integrativ-pädagogische Konzepte einzusetzen. Die Z-Prüfung, die er ohne Vorbereitung bestand, ermöglichte es ihm, ein Studium der Pädagogik aufzunehmen. Sein Ziel war es, als ‚diplomierter Akademiker‘ den bereits als Heilpädagoge begonnenen Kampf gegen Missstände in pädagogischen Einrichtungen auf einem ‚effizienteren Niveau‘ fortzuführen. Das Studium beendete er nicht nur mit dem Diplom, er schloss auch eine Promotion ab. In der Folge erfüllte Helmut Saarstein seine sich selbst auferlegte Mission, sonderpädagogische Einrichtungen zu schließen und entwickelte ein umfangreiches Fortbildungskonzept im Bereich integrativer Pädagogik, das er auch umsetzen kann (Abb. 6.1).

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Helmut Saarstein – „Die Möglichkeiten, die ich hatte, habe ich genutzt“

  • Detlef Garz,
  • Frank Kotterer,
  • Sylke Bartmann,
  • Elisabeth Janssen,
  • Nicos Karydis,
  • Juhyeok Lee,
  • Olaf Zawacki-Richter

摘要

Die vorliegende Fallrekonstruktion behandelt die Biographie von Helmut Saarstein, der 1949 in Berlin geboren wurde. Die Familie von Herrn Saarstein war fest in Berlin verwurzelt. Bereits die Großeltern väterlicherseits sowie die Großmutter mütterlicherseits kamen vor der Wende zum 19. Jahrhundert dort zur Welt, und auch seine Eltern wurden in Berlin geboren. Helmut Saarstein verbrachte die ersten 16 Lebensjahre in diesem großstädtischen Umfeld im Osten der geteilten Stadt. Als Kind erlebte er die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges, eine zerbombte Häuserlandschaft, die, wie er auf Nachfragen der Interviewerin zu seiner Kindheit erinnerte, neben dem Besuch von Gottesdiensten, prägend für ihn war. Mit sechs jüngeren Schwestern wuchs er als Ältester in einer Großfamilie auf. Sein Umfeld war stark von der Tradition der beruflichen Tätigkeit bei der Reichsbahn sowie einem religiösen, äußerst konservativen Wertesystem geprägt. Der Vater, in zweiter Generation bei der Reichsbahn angestellt, überzeugter Soldat im Zweiten Weltkrieg, und ein religiöser Eiferer mit strenger Hand, sowie seine Mutter, die im starken Kontrast den liebevollen und zärtlichen Gegensatz bildete, übten einen bedeutenden Einfluss auf seine Entwicklung aus. Nach dem Erwerb der Mittleren Reife – Mitte der 1960er-Jahre – zog Helmut Saarstein mit seiner Familie in die Bundesrepublik, ins Ruhrgebiet. Entgegen dem väterlichen Wunsch, ebenfalls zur Bahn zu gehen, absolvierte er zunächst erfolgreich eine Lehre als ‚Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft‘ bzw. als Makler. 1969, nach einer kurzen Anstellung bei einer Sparkasse und der Verweigerung des Militärdienstes, schloss sich der Zivildienst an, gefolgt von weiteren Ausbildungen in der Krankenpflege (1973 bis 1976) und zum Erzieher mit Zusatzqualifikation. Die Erfahrungen im Zivildienst, in einer pädagogischen Einrichtung und der darauffolgenden pädagogischen Berufstätigkeit, markierten Schlüsselmomente für Herrn Saarstein. Die in diesen Einrichtungen erlebten Missstände und Erfahrungen mit Aussonderungsprozessen, die ihn an seine belastenden Kindheitserfahrungen erinnerten, wurden zum Antrieb, sich für integrativ-pädagogische Konzepte einzusetzen. Die Z-Prüfung, die er ohne Vorbereitung bestand, ermöglichte es ihm, ein Studium der Pädagogik aufzunehmen. Sein Ziel war es, als ‚diplomierter Akademiker‘ den bereits als Heilpädagoge begonnenen Kampf gegen Missstände in pädagogischen Einrichtungen auf einem ‚effizienteren Niveau‘ fortzuführen. Das Studium beendete er nicht nur mit dem Diplom, er schloss auch eine Promotion ab. In der Folge erfüllte Helmut Saarstein seine sich selbst auferlegte Mission, sonderpädagogische Einrichtungen zu schließen und entwickelte ein umfangreiches Fortbildungskonzept im Bereich integrativer Pädagogik, das er auch umsetzen kann (Abb. 6.1).