Schlussbetrachtung: Gesellschaft als kollektives Handeln
摘要
Gesellschaft als kollektives Handeln, people doing things together als Gegenstand der Soziologie und Feldforschung als die dafür angemessenste Untersuchungsmethode – Howard S. Becker führt die Tradition der Chicago School of Sociology und des Symbolischen Interaktionismus fort, bereichert sie um neue Gebiete und entwickelt eigene Ansätze und Thesen, die stets dazu anregen, gängige soziologische Modelle und Arbeitsweisen zu hinterfragen. Becker ist ein zentraler Akteur der US-amerikanischen Soziologie: Vor allem in den Grundsatzdebatten der 1960er- und 1970er-Jahre bezieht er Stellung und setzt sich für qualitative Forschungsmethoden und eine mikrosoziologische Untersuchung von Interaktionssituationen als Grundlage jedweder Form von Theoriebildung ein. Darüber hinaus provoziert er eine nachhaltige Diskussion über die (un)mögliche Unterscheidung zwischen dem Soziologen als Wissenschaftler und dem Soziologen als Bürger. Nach ungefähr zwanzig Jahren an ‚vorderster Front‘ scheint es ab den 1980ern ruhiger um ihn zu werden. Becker beendet seinen Einsatz in wissenschaftlichen Organen und Verbänden. Seine kritische Auseinandersetzung mit dominierenden soziologischen Modellen und Methoden indes geht weiter. Sowohl seine Schriften zu Kunstwelten und Wissensordnungen, als auch jene über Sinn, Zweck und Ziel wissenschaftlichen Arbeitens markieren Stationen im Denken eines überzeugten Skeptikers, der in der Soziologie gerne alternative Wege beschreitet und damit letztlich auch im französischsprachigen Raum eine enorme Resonanz erfährt.