Sind Väter für Söhne das wichtigste Vorbild? Einspruch aus einer psychodynamischen Konfliktperspektive auf Männlichkeit
摘要
Der Ruf nach aktiven Vätern wird im geschlechter- und bildungspolitischen Krisendiskurs über Jungen damit begründet, dass Jungen ein männliches Vorbild brauchen, um sich im Sozialisationsprozess Männlichkeit und Geschlechtsidentität anzueignen. Aufgrund vom gesellschaftlichen Wandel der Familienbeziehungen seien Väter abwesend oder würden nach einer Trennung der Eltern ganz fehlen, da die Jungen bei den alleinerziehenden Müttern aufwachsen. In diesem Diskurs wird von ausgesprochen unterkomplexen Vorstellungen zur Geschlechtersozialisation ausgegangen. In Anschluss an Mechthild Bereswill wird in diesem Aufsatz Männlichkeit als psychodynamische Konfliktkategorie konzipiert. Untersucht wird, wie sich die Beziehungen zwischen adoleszenten Söhnen und ihren Vätern gestalten und welche psychodynamischen Konflikte sich rekonstruieren lassen. Abschließend werden die Ergebnisse auf die geschlechter- und bildungspolitischen Diskurse zurückbezogen und es wird für eine differenziertere Sichtweise plädiert.