Der Beitrag nimmt die im April 2024 veröffentlichte vatikanische Erklärung Dignitas infinita zum Ausgangspunkt, die „Gender-Theorie“ als größte Bedrohung der menschlichen Würde inszeniert und sich dabei auf eine vermeintlich naturgegebene Zweigeschlechtlichkeit beruft. Gezeigt wird, wie diese Argumentation in eine lange Tradition der Dämonisierung der Gender Studies eingebettet ist und mit globalen rechtspopulistischen, religiös-fundamentalistischen und antifeministischen Bewegungen konvergiert. Jenseits einer politischen Analyse fragt der Text jedoch grundsätzlicher nach den theoretischen Konsequenzen für die Geschlechterforschung. Im Zentrum steht der Vorschlag, Geschlechterforschung als „kritische Ontologie der Gegenwart“ zu profilieren: als Analyse der Macht-, Wissens- und Seinsordnungen, in denen Geschlecht als kontingente, historisch situierte Verknüpfung von Materialitäten, Diskursen und Praktiken hervorgebracht wird. Damit wird Geschlecht nicht naturalisiert, sondern als konflikthaftes Terrain von Demokratie, Emanzipation und Sorge um pluralisierte Lebensweisen sichtbar gemacht.

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Giving Sex an Ontology. Geschlechterforschung als kritische Ontologie der Gegenwart

  • Sabine Hark

摘要

Der Beitrag nimmt die im April 2024 veröffentlichte vatikanische Erklärung Dignitas infinita zum Ausgangspunkt, die „Gender-Theorie“ als größte Bedrohung der menschlichen Würde inszeniert und sich dabei auf eine vermeintlich naturgegebene Zweigeschlechtlichkeit beruft. Gezeigt wird, wie diese Argumentation in eine lange Tradition der Dämonisierung der Gender Studies eingebettet ist und mit globalen rechtspopulistischen, religiös-fundamentalistischen und antifeministischen Bewegungen konvergiert. Jenseits einer politischen Analyse fragt der Text jedoch grundsätzlicher nach den theoretischen Konsequenzen für die Geschlechterforschung. Im Zentrum steht der Vorschlag, Geschlechterforschung als „kritische Ontologie der Gegenwart“ zu profilieren: als Analyse der Macht-, Wissens- und Seinsordnungen, in denen Geschlecht als kontingente, historisch situierte Verknüpfung von Materialitäten, Diskursen und Praktiken hervorgebracht wird. Damit wird Geschlecht nicht naturalisiert, sondern als konflikthaftes Terrain von Demokratie, Emanzipation und Sorge um pluralisierte Lebensweisen sichtbar gemacht.