In Zeiten, in denen völkischer Irrsinn sich erneut ausbreitet, in denen wieder von rassischer Reinheit und der Bedrohung „biodeutscher“ Eigenart die Rede ist (oder auch nur der Unsinn einer deutschen „Leitkultur“ durch Parteiprogramme und Talkshows geistert) – in diesen Zeiten also tut es not, daran zu erinnern, dass weder unser Land noch seine Menschen oder deren Sprache jemals „rein“ und „unvermischt“ waren. Deutschland ist in den verschiedensten Völkerströmen und Kriegen zusammengewachsen. Die unterschiedlichsten Zuwanderer haben es besiedelt, geprägt und immer wieder verändert. Sie haben auch dazu beigetragen, einen Wortbestand zu formen, der als ursprüngliches und „pures“ Deutsch gründlich missverstanden wäre. „Deutsch“ ist, wie auch unsere genetische Beschaffenheit, eine Mélange, die so vieles andere und „Fremde“ in sich aufgenommen hat. Man darf, man muss es gerade deshalb lieben – und den Reiz dieser bunten Mischung verteidigen gegen jene, die unsere Sprache in nationalistischer Hybris als Ausdruck kultureller Überlegenheit und als Waffe gegen vermeintliche „Überfremdung“ nutzen wollen.

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Mutterseelenallein

  • Gunter Reus

摘要

In Zeiten, in denen völkischer Irrsinn sich erneut ausbreitet, in denen wieder von rassischer Reinheit und der Bedrohung „biodeutscher“ Eigenart die Rede ist (oder auch nur der Unsinn einer deutschen „Leitkultur“ durch Parteiprogramme und Talkshows geistert) – in diesen Zeiten also tut es not, daran zu erinnern, dass weder unser Land noch seine Menschen oder deren Sprache jemals „rein“ und „unvermischt“ waren. Deutschland ist in den verschiedensten Völkerströmen und Kriegen zusammengewachsen. Die unterschiedlichsten Zuwanderer haben es besiedelt, geprägt und immer wieder verändert. Sie haben auch dazu beigetragen, einen Wortbestand zu formen, der als ursprüngliches und „pures“ Deutsch gründlich missverstanden wäre. „Deutsch“ ist, wie auch unsere genetische Beschaffenheit, eine Mélange, die so vieles andere und „Fremde“ in sich aufgenommen hat. Man darf, man muss es gerade deshalb lieben – und den Reiz dieser bunten Mischung verteidigen gegen jene, die unsere Sprache in nationalistischer Hybris als Ausdruck kultureller Überlegenheit und als Waffe gegen vermeintliche „Überfremdung“ nutzen wollen.