Das Wahlrecht der Bundesrepublik kombiniert eine Mehrheitswahl (die Erststimme, mit der ein Kandidat gewählt wird) mit einer Verhältniswahl (der Zweitstimme, mit der eine Partei gewählt wird). Damit sollen die Nachteile beider Systeme reduziert werden. Eine Mehrheitswahl begünstigt ein Zweiparteiensystem, das vielen Wählern die Möglichkeit einer Repräsentation nimmt. Das bedeutet weniger Demokratie. Bei einer Verhältniswahl erhalten auch Kandidaten kleinerer Parteien eine Chance, gewählt zu werden. Dieses System ist insofern demokratischer. Doch birgt die Präsenz vieler Parteien im Parlament die Gefahr politischer Instabilität. Daher hat das Grundgesetz die sogenannte Fünf–Prozent–Klausel eingeführt. Sie sorgt für stabilere Mehrheitsverhältnisse, bedeutet aber weniger Demokratie, denn Wähler, die ihre Stimme für eine Partei abgegeben haben, welche weniger als 5 % der Stimmen erhalten hat, sind im Parlament nicht vertreten. Die Verhältniswahl schafft zwei übereinander geschichtete Ebenen der Repräsentation.. Das Volk wird von Parteien vertreten, und diese werden von ihren Mitgliedern im Parlament und der Regierung vertreten. In einem solchen System wird Herrschaft des Volkes in weiten Bereichen durch eine Herrschaft der Parteien ersetzt. Bei einer Verhältniswahl kommt es leicht dazu, dass keine Partei die absolute Mehrheit im Parlament hat. Die Lösung liegt in der Bildung einer Koalitionsregierung. Koalitionen sind künstliche Mehrheiten. Sie machen Entscheidungen möglich, die nicht von der Mehrheit der Wähler getragen werden. Aus den genannten Gründen ist eine repräsentative Demokratie von der direkten Demokratie weiter entfernt, als es den Anschein hat.

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Die Anwendung demokratischer Prinzipien

  • Wolfgang Plasa

摘要

Das Wahlrecht der Bundesrepublik kombiniert eine Mehrheitswahl (die Erststimme, mit der ein Kandidat gewählt wird) mit einer Verhältniswahl (der Zweitstimme, mit der eine Partei gewählt wird). Damit sollen die Nachteile beider Systeme reduziert werden. Eine Mehrheitswahl begünstigt ein Zweiparteiensystem, das vielen Wählern die Möglichkeit einer Repräsentation nimmt. Das bedeutet weniger Demokratie. Bei einer Verhältniswahl erhalten auch Kandidaten kleinerer Parteien eine Chance, gewählt zu werden. Dieses System ist insofern demokratischer. Doch birgt die Präsenz vieler Parteien im Parlament die Gefahr politischer Instabilität. Daher hat das Grundgesetz die sogenannte Fünf–Prozent–Klausel eingeführt. Sie sorgt für stabilere Mehrheitsverhältnisse, bedeutet aber weniger Demokratie, denn Wähler, die ihre Stimme für eine Partei abgegeben haben, welche weniger als 5 % der Stimmen erhalten hat, sind im Parlament nicht vertreten. Die Verhältniswahl schafft zwei übereinander geschichtete Ebenen der Repräsentation.. Das Volk wird von Parteien vertreten, und diese werden von ihren Mitgliedern im Parlament und der Regierung vertreten. In einem solchen System wird Herrschaft des Volkes in weiten Bereichen durch eine Herrschaft der Parteien ersetzt. Bei einer Verhältniswahl kommt es leicht dazu, dass keine Partei die absolute Mehrheit im Parlament hat. Die Lösung liegt in der Bildung einer Koalitionsregierung. Koalitionen sind künstliche Mehrheiten. Sie machen Entscheidungen möglich, die nicht von der Mehrheit der Wähler getragen werden. Aus den genannten Gründen ist eine repräsentative Demokratie von der direkten Demokratie weiter entfernt, als es den Anschein hat.