Einführung
摘要
In der Philosophie erfreut sich der Neopragmatismus einer umfassenden Resonanz (dazu etwa ausführlich: Müller 2023), auch wurden seine Potenziale für Sozialwissenschaft und Politikwissenschaft recht ausführlich diskutiert (etwa: Calder 2007; Gröschner et al. 2011; Sandbothe 2005; Selk et al. 2021; Topper 1995), in den Raumwissenschaften blieb die Resonanz lange verhalten (Ausnahmen insbesondere: Barnes 2008, 2017 [1991], 2023; Jones 2008; Wood und Smith 2008). In jüngerer Zeit hat – ausgehend von der Diskussion um eine theoretische Fundierung der regionalen Geographie, jenseits der dichotomisierenden Diskussion um Realismus und Konstruktivismus – eine verstärkte Zuwendung zum Neopragmatismus stattgefunden (etwa bei: Berr und Kühne 2023; Hinz et al. 2024; Kühne 2023, 2024; Stemmer et al. 2023; Zepp 2020). Dabei wurde nicht zuletzt auf die Tradition pragmatistischer Geographie zurückgegriffen, die das Potenzial des Pragmatismus zur Integration unterschiedlicher geografischer Teildisziplinen sowie zu transdisziplinären Herangehensweisen ausgelotet hatte (Geiselhart und Steiner 2012; Hepple 2008; Steiner 2014a, b; Wescoat 1992). Der neopragmatistische Zugriff auf räumliche Phänomene integriert dabei die pragmatistische Tradition des nutzenorientierten Denkens in einen sprachphilosophischen Kontext. Dies bedeutet, dass Welt in unterschiedlichen Vokabularen in unterschiedlicher Weise erzeugt wird, ohne dass diese Vokabulare einen Anspruch auf ‚Repräsentanz‘ einer außervokabularen Realität hätten (Rorty 1997 [1989], 2023). Das bedeutet, dass räumliche Kategorien, wie Landschaft, Region oder Stadt, Ergebnis von Konstruktionsprozessen sind. Über klassische konstruktivistische bzw. dekonstruktivistische Ansätze (dazu etwa: Aitken und Valentine 2014; Atkinson et al. 2005; Claval 2007; Egner 2010; Kühne und Berr 2021) geht der Neopragmatismus jedoch mit seinem Rückgriff auf die pragmatistische Tradition hinaus: Er belässt es nicht bei der Feststellung der Konstruiertheit oder der Machgebundenheit von Räumen, sondern stellt sich die Frage, inwiefern wissenschaftliche Zuwendung, hier zu Räumen, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, nicht zuletzt mittels der Weitung von Kontingenz, beitragen kann (Edler et al. 2023; Kühne 2024; Lohmann et al. 2024).