Die Materialität des Schulanfangs. Aus der Perspektive von Primus-Schulanfänger:innen.
摘要
Der Artikel beruht auf den Daten und Ergebnissen einer Masterarbeit, bei der, in Anlehnung an die Begleitforschung des Primus-Schulversuches, Schulanfänger:innen zweier Primus-Schulen interviewt wurden. Mithilfe eines explorativen Forschungsdesign sollte der Frage nachgegangen werden, was für die Schulanfänger:innen bei ihrem Übergang in diese besondere Schulform relevant ist. Anstatt jedoch die Besonderheit der Primus-Schule zu thematisieren, sprechen die interviewten Schulanfänger:innen die verschiedensten materiellen Dinge ihres Schulanfangs an, ohne dass sie explizit danach gefragt wurden. Von den Daten geleitet verschob sich das Erkenntnisinteresse der Masterarbeit somit auf die Untersuchung der Materialität des Übergangs, der sich mit neumaterialistischen Theorieperspektiven angenähert wird. Besonders mit dem agentiellen Realismus von Karen Barad sowie ihren Konzepten der Intra-Aktion und des Entanglements wird die von den Schüler:innen auf vielfältige Weise thematisierte Bedeutung der Materialität des Schulkindseins bzw. -werdens in den Blick genommen. Exemplarisch werden anhand der von den Schulanfänger:innen thematisierten Dinge der Schultüte, den Stühlen und dem Kleid der Lehrerin, im folgenden Beitrag erstmalig die Daten und Ergebnisse der Masterarbeit veröffentlicht. Die Analyse der Äußerungen und Erinnerungen der Schulanfänger:innen bezüglich der Dinge des Schulanfangs ermöglichen nicht nur Einblicke in die Prozesse des Schulkindseins und -werdens, sondern auch in die Prozesse der Hervorbringung eines Dinges in seiner Materialität und Bedeutung, die potenziell vielfältig und unterschiedlich ist und sein kann. Die Schultüte, die als traditionelles Symbol des Schulanfangs zumeist bei der Einschulung überreicht wird, zeigt sich in der Analyse beispielsweise als Schulanfangsding, das zeitlich auch weit außerhalb der Einschulung überaus relevant für die Schulanfänger:innen sein kann und in der Intraaktion die klassischen Vorstellungen ihrer Bedeutung überschreitet. Der bisher überwiegend als sozialer Veränderungsprozess untersuchte Übergang in die Schule kann durch die Bedeutsamkeit der Materialität und die Verbindungen von Gefühlen und Erfahrungen sowie die Verbindung zu allen relevanten Akteur:innen (menschlich und nicht-menschlich) vielmehr als ein soziomaterialer Veränderungsprozess verstanden und in den Blick genommen werden.