Konkurrierende Gerechtigkeitsansprüche in Organisationen der Sozialen Arbeit
摘要
Soziale Gerechtigkeit ist ein in der Sozialen Arbeit häufig reklamierter normativer Anspruch, der von den in diesem Feld tätigen Organisationen ebenfalls übernommen wird. Dieser Anspruch verdeckt jedoch die Komplexität und die Konkurrenz unterschiedlicher Gerechtigkeitsvorstellungen. In der Theorie der Gerechtigkeit von A. Sen wird dem öffentlichen Vernunftgebrauch eine zentrale Rolle zugewiesen, um mit diesen konkurrierenden Ansprüchen umzugehen. Empirische Forschungen zu Organisationen der Sozialen Arbeit zeigen jedoch, dass diese öffentliche Auseinandersetzung häufig verhindert wird und sich Dominanzstrukturen gegenüber Nutzer:innen etablieren können. Am Beispiel des Handlungsfeldes der Heimerziehung wird diskutiert, wie durch institutionelle und organisationale Veränderungen den Nutzenden strukturell bessere Möglichkeiten eröffnet werden können, Einfluss auf diesen Gerechtigkeitsvorstellungen zu nehmen. Der Beitrag schließt mit Überlegungen, wie in Organisationen der Sozialen Arbeit Räume und Strukturen zur Verhandlung konkurrierender Gerechtigkeitsansprüche geschaffen und der Einfluss der Nutzer:innen darauf gesichert werden kann.