Ins Leere erinnern. Vergessensgewalt, Gedächtnisevokation, Materialität
摘要
Die enge Verknüpfung der Erinnerungs- beziehungsweise Gedächtnissoziologie mit den sichtbaren Artefakten der Sepulkralkultur wird vorliegend unter Rekurs auf empirische Feldforschung in Zentraleuropa näher beleuchtet. Zentral ist dabei die Materialität der Grabruhestätte, welche die schwer objektivierbaren Momente des Todes und der Trauer inkorporiert oder zumindest in ein enges und mithin spannungsreiches Referenzverhältnis zu ihnen tritt. Das ist soziologisch gerade deshalb bemerkenswert, als sich die Friedhofslandschaft seit wenigen Jahrzehnten grundlegend verändert: Je mehr Dinglichkeit im Sinne von Erinnerungsobjekten (und ihnen auch Alltagsgegenstände) involviert wird, desto unsichtbarer unter weniger zugänglich ist der verstorbene Körper. Der Verlust der Physis der Leiche resultiert im Kontext von Sterben, Tod und Trauer, wie dieser Beitrag zeigen soll, zunehmend in einem Zugewinn an einer gewissermaßen alternativen Materialität.