Verschiedene Personengruppen haben rechtlich einen eingeschränkten oder keinen Zugang zu regulärer medizinischer Versorgung. Dies betrifft insbesondere asylsuchende Personen, Menschen ohne rechtlichen Aufenthaltsstatus und EU-Bürger:innen ohne materielles Aufenthaltsrecht. Der vorliegende Beitrag stellt Ergebnisse einer qualitativen empirischen Erhebung mittels Expert:innen-Interviews dar und versucht sich damit einer Bedarfserhebung für die Region Nordhessen anzunähern sowie mögliche Gestaltungsansätze zur Verbesserung der Versorgungssituation zu entwickeln. Die gesundheitlichen Bedarfe von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz in der Region decken sich mit dem bestehenden Forschungsstand aus anderen Städten; reguläre allgemeinmedizinische, insbesondere gynäkologische und psychotherapeutische Bedarfe wurden identifiziert. Menschen ohne Krankenversicherungsschutz haben auch in der Region Nordhessen oftmals keinen Zugang zu gewöhnlicher medizinischer Versorgung, trotz der Bemühungen unentgeltlicher und paralleler Versorgungsangebote. Besonders deutlich konnte gezeigt werden, dass die lokale Rechtsumsetzung den entscheidenden Faktor für den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung darstellt. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die Verstetigung der Clearingstelle mit möglicherweise einem Anonymen Behandlungsscheinmodell (oder Fondslösung) werden als Lösungsansätze diskutiert. Für die Region Nordhessen könnten die derzeitigen kommunalen Bemühungen durch verstärkte Netzwerkarbeit verstetigt werden. Deutlich an diesen Ergebnissen wird, dass der inadäquate Zugang zu gesundheitlichen Diensten eine strukturelle soziale Determinante gesundheitlicher Ungleichheit ist. Strukturelle Veränderungen und eine stärkere staatliche Verantwortungsübernahme in der Praxis, z.  B. durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), könnten in der untersuchten Region zu einem bedarfsgerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung beitragen.

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Bedarfserhebung und Analyse der Versorgungssituation von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz in der Region Nordhessen

  • Frances Ahlmann,
  • Mirjam Schülle

摘要

Verschiedene Personengruppen haben rechtlich einen eingeschränkten oder keinen Zugang zu regulärer medizinischer Versorgung. Dies betrifft insbesondere asylsuchende Personen, Menschen ohne rechtlichen Aufenthaltsstatus und EU-Bürger:innen ohne materielles Aufenthaltsrecht. Der vorliegende Beitrag stellt Ergebnisse einer qualitativen empirischen Erhebung mittels Expert:innen-Interviews dar und versucht sich damit einer Bedarfserhebung für die Region Nordhessen anzunähern sowie mögliche Gestaltungsansätze zur Verbesserung der Versorgungssituation zu entwickeln. Die gesundheitlichen Bedarfe von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz in der Region decken sich mit dem bestehenden Forschungsstand aus anderen Städten; reguläre allgemeinmedizinische, insbesondere gynäkologische und psychotherapeutische Bedarfe wurden identifiziert. Menschen ohne Krankenversicherungsschutz haben auch in der Region Nordhessen oftmals keinen Zugang zu gewöhnlicher medizinischer Versorgung, trotz der Bemühungen unentgeltlicher und paralleler Versorgungsangebote. Besonders deutlich konnte gezeigt werden, dass die lokale Rechtsumsetzung den entscheidenden Faktor für den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung darstellt. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die Verstetigung der Clearingstelle mit möglicherweise einem Anonymen Behandlungsscheinmodell (oder Fondslösung) werden als Lösungsansätze diskutiert. Für die Region Nordhessen könnten die derzeitigen kommunalen Bemühungen durch verstärkte Netzwerkarbeit verstetigt werden. Deutlich an diesen Ergebnissen wird, dass der inadäquate Zugang zu gesundheitlichen Diensten eine strukturelle soziale Determinante gesundheitlicher Ungleichheit ist. Strukturelle Veränderungen und eine stärkere staatliche Verantwortungsübernahme in der Praxis, z.  B. durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), könnten in der untersuchten Region zu einem bedarfsgerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung beitragen.