Hans Speiers Fahrten durch Deutschland und Österreich nach Ende des Zweiten Weltkriegs und das Akteursbild heutiger Soziologiegeschichte. Ein Essay gegen den Moralismus
摘要
Nicht selten fällt Soziologiegeschichte dem Moralismus anheim. Am deutlichsten wird das dort, wo sie sich mit Akteur:innen befasst. Anstatt deren Motivlagen verstehen zu wollen, sucht sie Schuldige. Sie konstatiert individuelle Versäumnisse, wo sie eigentlich soziologische Dynamiken identifizieren müsste. Und genau hier, das heißt in der möglichst genauen und sachlichen Rekonstruktion von Motivlagen, liegt auch ein Ausweg aus der Moralismusfalle. Es geht um eine Vermenschlichung der Akteur:innen in der Soziologiegeschichte. Unter Rückgriff auf Aufzeichnungen und Briefe, die der deutsch-amerikanische Sozialwissenschaftler Hans Speier (1905–1990) während seiner Reisen durch Deutschland und Österreich kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfasste, zeichnet dieser Essay die Konturen eines vermenschlichten Umgangs der Soziologiegeschichte mit ihren Akteur:innen nach.