Improvisation und Kreativität in Zeitkrisen, oder: Macht (Zeit-)Not erfinderisch?
摘要
Krisen sind die neue Normalität. Rosa interpretiert diese andauernde Krisenzeit als eine Krise der Zeit, die nicht mehr nur ausschließlich singuläre Ereignisse wie Unfälle und Katastrophen umfasst, sondern nahezu alle Lebensbereiche betrifft. Anhand der gescheiterten Apollo 13 Mondmission von 1970, die von der NASA dokumentiert und in Ron Howards Hollywoodfilm „Apollo 13“ von 1995 nacherzählt wurde, kann im Detail skizziert werden, warum Katastrophen verschiedene Zeitkrisen, oder genauer: Desynchronisationen, bewirken. Die in der Folge dessen entstandenen Improvisationen und provisorischen Lösungen retten nicht nur die drei Besatzungsmitglieder; sie werden hier generell als Mittel der Resynchronisation unterschiedlicher Zeitsysteme identifiziert. Der provisorische Luftfilter bei Apollo 13 war ohne Frage eine ideenreiche Leistung, jedoch, macht Not wirklich erfinderisch, wenn sie im Kern in einer Zeitkrise geschieht? Eine Annäherung an diese Frage erlaubt der Blick auf beide Improvisationen, nämlich die in der Kunst und in der Krise. Deren Ähnlichkeiten und Unterschiede bilden sich entlang einer temporalen Struktur, die radikal interdisziplinär ist und darin der Kreativität ihre jeweilige Position zuweist: befindet sie sich »im Zugzwang«, muss gar »Kohlen aus dem Feuer holen« oder ist sie besser »vor der Lage«? So ähnelt Kreativität eher einem Verschiebebahnhof. In diesem Hin und Her zwischen Kunst und Katastrophe werden Einschränkungen aber auch Potenziale für die Bewältigung von Zeitkrisen genauer diskutiert.