Schleichende Gleichschaltung. Traditionalistisch-identitär-destruktive politische Praxis der Orbán-Regierungen zwischen 2012 und 2024 – ein Überblick
摘要
Im Sinne des Grundgesetzes und der ‚historischen Verfassung‘ wurden im vergangenen Jahrzehnt demokratische Institutionen geschwächt, Grundrechte, Gewaltenteilung, Medienlandschaft stark eingeschränkt, die gesamte Kultur- und Bildungspolitik umgestaltet und die Wissenschaftsfreiheit beschnitten. Nach und nach wurden kritische Autor:innen aus dem Nationalen Grundlehrplan entfernt und durch völkische ersetzt, so gelten heute antisemitische Autor:innen der Zwischenkriegszeit als Pflichtlektüre. Das Geschichtsbild der Regierung wird von Schuldabwehr geleitet, die Täter-Opfer-Umkehr führt zum nationalen Opfermythos und zur Relativierung, bzw. Leugnung des Holocaust. Gefördert wird die geschichtsverfälschende Esoterik mit der Rassenmystik, dem heroisierenden Ahnenkult und den Hinweisen auf das ‚Goldene Zeitalter‘. Ziel ist die Annäherung an den Eurasianismus und die kosmologische Tradition sowie das Zurückdrängen der als Chaos begriffenen Demokratie mit der kritisch-emanzipatorisch-menschenrechtlichen Wertegrundlage.