Quantifizierung, Vermessung und Berechnung
摘要
Das Kapitel untersucht Quantifizierung, Vermessung und Berechnung als grundlegende kulturelle und epistemische Voraussetzungen gegenwärtiger Praktiken der Selbstvermessung. Es zeichnet deren Expansion als kulturhistorische Entwicklung nach und zeigt, wie sich über zentrale historische Stationen – von antiken Zahlenpraktiken über mittelalterliche Frömmigkeitsarithmetik bis hin zu modernen Messregimen – ein evidenz- und richtigkeitsorientierter Zahlengebrauch herausgebildet hat, der subjektivierende und disziplinierende Effekte entfaltet. Aufbauend auf dieser Genealogie richtet das Kapitel den Blick auf Selbstvermessung als pädagogisch imprägnierte Gegenwartspraxis, die über die Handlungsangebote digitaler Algorithmen und die spezifischen Logiken der Soziokalkulation Orientierung ermöglicht und durch Kontingenzreduktion entlastet. Bildungstheoretisch wird deutlich, wie Quantifizierung zur Habitualisierung von Selbstführung beiträgt und normative Anforderungen an Subjektivität vermittelt.