Am 19. Februar 1925 lässt Walter Benjamin, der seinerzeit die „[E]inliefer[ung]“ einer Habilitationsschrift über den Ursprung des deutschen Trauerspiels bei der philosophischen Fakultät der ein gutes Jahrzehnt zuvor gegründeten Universität Frankfurt vorbereitet, in einem Brief den studierten Mathematiker und Kabbala-Forscher Gershom Scholem, der etwa ein Jahr früher nach Jerusalem ausgewandert ist, wissen, dass er diese „Arbeit“ als „Schluß – um keinen Preis ein[en] Anfang“ betrachte. Dieses Diktum gilt allerdings nicht der gesamten Schrift, sondern der „Barockarbeit“ im engeren Sinn, da sie, so wie kein „Leser“ an ihr etwas „zu lachen“ finden werde, den Verfasser selbst in ein „zu temperierte[s] Klima“ versetzt habe. Anders verhält es sich mit der „Einleitung“ der Habilitationsschrift, die Benjamin im Gegenteil als eine Form des Anfangens kennzeichnet, nämlich als „Prolegomena“ – und überdies als „maßlose Chuzpe“, also etwas, das die gebräuchlichen Literatur-Barometer nicht erfassen (woran, wer diese Chuzpe versteht, etwas zu lachen finden könnte).

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Walter Benjamin bei der Königshalle

  • Peter Gostmann

摘要

Am 19. Februar 1925 lässt Walter Benjamin, der seinerzeit die „[E]inliefer[ung]“ einer Habilitationsschrift über den Ursprung des deutschen Trauerspiels bei der philosophischen Fakultät der ein gutes Jahrzehnt zuvor gegründeten Universität Frankfurt vorbereitet, in einem Brief den studierten Mathematiker und Kabbala-Forscher Gershom Scholem, der etwa ein Jahr früher nach Jerusalem ausgewandert ist, wissen, dass er diese „Arbeit“ als „Schluß – um keinen Preis ein[en] Anfang“ betrachte. Dieses Diktum gilt allerdings nicht der gesamten Schrift, sondern der „Barockarbeit“ im engeren Sinn, da sie, so wie kein „Leser“ an ihr etwas „zu lachen“ finden werde, den Verfasser selbst in ein „zu temperierte[s] Klima“ versetzt habe. Anders verhält es sich mit der „Einleitung“ der Habilitationsschrift, die Benjamin im Gegenteil als eine Form des Anfangens kennzeichnet, nämlich als „Prolegomena“ – und überdies als „maßlose Chuzpe“, also etwas, das die gebräuchlichen Literatur-Barometer nicht erfassen (woran, wer diese Chuzpe versteht, etwas zu lachen finden könnte).