Die Kohorte der Babyboomer und deren soziale und räumliche Implikationen im internationalen Vergleich
摘要
Im ‚World Social Report 2023: Leaving no one behind in an ageing world‘ der Vereinten Nationen wird die Alterung der Weltbevölkerung als unumkehrbarer globaler Trend beschrieben. Während für viele Regionen erst in den kommenden Jahrzehnten ein Anstieg des Anteils älterer Bevölkerungsgruppen an der Gesamtbevölkerung vorausgesagt wird, sind heute schon Nordamerika, Europa und Ostasien stark von Alterungsprozessen betroffen (United Nations 2023a, S. 14, 21–23). Statistisch lassen sich verschiedene Ausprägungen von Bevölkerungsdaten heranziehen, die auf eine Alterung in der Gesellschaft hinweisen. Neben der Entwicklung des Anteils älterer Bevölkerungsgruppen an der Gesamtbevölkerung, spielen auch Geburten- und Sterberaten, die Lebenserwartung ab Geburt und die Migrationsbewegungen eine entscheidende Rolle für die Altersstruktur einer Bevölkerung (Crampton 2009, S. 7; Rao und Gao 2021, S. 5538). Dies macht deutlich, dass eine tiefgehende Auseinandersetzung mit relevanten statistischen Zahlen eines Landes erforderlich ist, um die dortigen Alterungsprozesse erfassen und verstehen zu können. Gleichzeitig wirft dies die Frage auf, warum sich bestimmte demographische Merkmale in einer spezifischen Weise entwickeln. Mit den heute wachsenden älteren Bevölkerungsgruppen wird insbesondere die geburtenstarke Babyboomer-Kohorte, die in den meisten Ländern zeitlich mehr oder weniger mit den ein bis drei Jahrzehnten nach Ende des zweiten Weltkriegs korreliert, in Verbindung gebracht. Aufgrund des anschließenden starken Rückgangs an Lebendgeburten und des Eintritts der Babyboomer-Generation in das Rentenalter, stellt diese Entwicklung eine zentrale Herausforderungen der Gesellschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar (Reher 2015, S. 57). Sie bringt zudem komplexe Fragestellungen für die soziale und räumliche Entwicklung von Kommunen und Regionen mit sich. Die Auseinandersetzung mit der Alterung der Bevölkerung spielt somit auch in der Raumplanung eine stärker werdende Rolle. Die Bereitstellung einer angepassten öffentlichen Infrastruktur und öffentlicher Dienstleistungen stellt Kommunen vor große Herausforderungen (Swiaczny et al. 2008, S. 200). Darüber hinaus muss die Planung darauf reagieren, dass ein höherer Anteil der Bevölkerung pflegebedürftig wird. Dies macht bauliche Maßnahmen für die eigenständige Weiternutzung von privatem Wohneigentum notwendig. Ein weiterer Faktor ist, dass eine ältere Bevölkerung oft überdurchschnittliche viel Wohnfläche in Anspruch nimmt (Yu und Lee 2017, S. 442–444). Dieses Kapitel bietet einen Vergleich der länderspezifischen Ausprägungen der Babyboom-Kohorten in Japan, den USA und Finnland. Die Autorinnen und Autoren haben hierzu im Rahmen des Projekts Ageing Smart im Jahr 2024 vergleichende Untersuchungen in Form von Fallstudien durchgeführt. Vor diesem Hintergrund wurden relevante Bevölkerungsdaten herangezogen, bewertet und in den jeweiligen länderspezifischen Kontext eingeordnet. Für das Forschungsprojekt bieten die hieraus gewonnen Erkenntnisse einen wichtigen Blick über den deutschen Kontext hinaus, um aus den Erfahrungswerten der Herausforderungen und Handlungsansätze anderer Länder lernen zu können.