Aktuelle Befunde zu antisemitischen Einstellungen in der evangelischen Kirche und der Anti-Antisemitismus im Protestantismus
摘要
Der Beitrag untersucht historische und aktuelle Dimensionen des Antisemitismus im Protestantismus sowie die Entwicklung eines kirchlichen Anti-Antisemitismus-Konsenses. Den Ausgangspunkt bildet die ambivalente Haltung der Bekennenden Kirche, die sich noch im Fehlen einer ausdrücklichen Benennung der Judenverfolgung 1945 zeigt. Historisch ist sie bedingt durch eine bis zu Luther zurückreichende antijudaistische Grundeinstellung. Seit den 1980er-Jahrensind theologische Ansätze entstanden, die jüdisches Selbstverständnis ernst nehmen und die bleibende Bindung an das Judesein Jesu betonen. Eine aktuelle EKD-Studie zeigt: Evangelische Kirchenmitglieder äußern seltener primären Antisemitismus, jedoch teils hohe Zustimmungswerte zu sekundären und israelbezogenen Formen. Transreligiöse Orientierung wirkt präventiv, monoreligiöse begünstigt Vorurteile. Ziel muss ein tragfähiger, theologisch fundierter Anti-Antisemitismus-Konsens im Protestantismus sein.