Mit dem Fokus auf verbale Daten steht qualitative Bildungsforschung anhaltend vor der Herausforderung, dass sich in zumeist biographischen Erzählungen oft nur „Bildungsanlässe“ oder allenfalls ex post eine kriseninduzierte Veränderung subjektiver Selbst-/Weltverhältnisse rekonstruieren lassen. Das bildungsprozessuale Transformationsgeschehen selbst entzieht sich beständig dem forschenden Blick; die gängigen Methoden stoßen an ihre Grenzen. Kinderzeichnungen stellen indes ein noch wenig beachtetes Datum im methodischen Diskurs dar, und das, obgleich sich Bildungsprozesse in ihnen auf natürliche Weise protokollieren. Der Beitrag arbeitet das Potenzial von Kinderzeichnungen für die empirische Bildungsforschung heraus und unterzieht zugleich die populäre transformatorische Bildungsprozesstheorie einer Reflexion. So wird sich entlang der Ergebnisdarstellung einer Kinderzeichnungsanalyse an der Black Box des konkreten Transformationsgeschehens abzuarbeiten versucht. Bildung – so die These – vollzieht sich womöglich nicht erst infolge einer die Routinen des Bildungssubjekts irritierenden Krise. Es wird argumentiert, dass bereits die Explikation der Krise als krisenhaft, wie sie sich im Zuge der Malhandlung darstellt und gestaltet wird, Ausdruck eines Bildungsgeschehens ist. Die bildimmanente Kinderzeichnungsanalyse vermag somit, sich den nebulös bleibenden Bildungsprozessen empirisch weiter anzunähern, indem das die Krise explizierende und potenzielle Lösungen erst eruierende, insofern jedoch bereits bildungsbedeutsame Denken des Kindes rekonstruiert wird.

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Krise in Muße statt müßigem Schematismus. Eine Reflexion der transformatorischen Bildungsprozesstheorie mithilfe der Rekonstruktion von bildsamen Krisen in Kinderzeichnungen

  • Jirko Piberger

摘要

Mit dem Fokus auf verbale Daten steht qualitative Bildungsforschung anhaltend vor der Herausforderung, dass sich in zumeist biographischen Erzählungen oft nur „Bildungsanlässe“ oder allenfalls ex post eine kriseninduzierte Veränderung subjektiver Selbst-/Weltverhältnisse rekonstruieren lassen. Das bildungsprozessuale Transformationsgeschehen selbst entzieht sich beständig dem forschenden Blick; die gängigen Methoden stoßen an ihre Grenzen. Kinderzeichnungen stellen indes ein noch wenig beachtetes Datum im methodischen Diskurs dar, und das, obgleich sich Bildungsprozesse in ihnen auf natürliche Weise protokollieren. Der Beitrag arbeitet das Potenzial von Kinderzeichnungen für die empirische Bildungsforschung heraus und unterzieht zugleich die populäre transformatorische Bildungsprozesstheorie einer Reflexion. So wird sich entlang der Ergebnisdarstellung einer Kinderzeichnungsanalyse an der Black Box des konkreten Transformationsgeschehens abzuarbeiten versucht. Bildung – so die These – vollzieht sich womöglich nicht erst infolge einer die Routinen des Bildungssubjekts irritierenden Krise. Es wird argumentiert, dass bereits die Explikation der Krise als krisenhaft, wie sie sich im Zuge der Malhandlung darstellt und gestaltet wird, Ausdruck eines Bildungsgeschehens ist. Die bildimmanente Kinderzeichnungsanalyse vermag somit, sich den nebulös bleibenden Bildungsprozessen empirisch weiter anzunähern, indem das die Krise explizierende und potenzielle Lösungen erst eruierende, insofern jedoch bereits bildungsbedeutsame Denken des Kindes rekonstruiert wird.