Nachfrage- und Verlagerungseffekte durch das 9-Euro-Ticket: Unterschiedliche Messansätze und der Beitrag zur Verkehrswende
摘要
Bei der Messung der Wirkungen des 9-Euro-Tickets – insbesondere beim Aspekt der Fahrtensteigerung und Nachfrageverlagerung von anderen Verkehrsmitteln – herrschte nicht nur während des Gültigkeitszeitraums Jun.-Aug. 2022, sondern auch darüber hinaus eher ein Tunnel- denn ein Adlerblick vor. Damit verbunden sind mannigfaltige Wahrnehmungsverzerrungen, die einer nüchternen und neutralen Evaluierung des Tickets im Weg stehen. Als Datengrundlagen wurden in Fachkreisen und in der öffentlichen Diskussion insbesondere die Befragung des VDV sowie die auf experimentellen Daten basierende Analyse des Statistischen Bundesamtes genutzt. Aufgrund von Problemen in der Erhebungsmethodik, bei der Analyse und bei der Interpretation der Daten ist zunächst der Eindruck entstanden, das 9-Euro-Ticket habe primär für neue Mobilität gesorgt, statt den gewünschten Effekt einer Verlagerung von Pkw-Fahrten zu erzeugen. Erst später wurde dieses Narrativ zumindest teilweise wieder umgekehrt. Das zwischenzeitliche Problem bei der Evaluierung des 9-Euro-Tickets war folglich ein Erkenntnisproblem, und zwar im Wesentlichen dadurch bestimmt, dass ein übergeordneter Vergleich unterschiedlicher Datenquellen und -ergebnisse und der Versuch, Widersprüche unterschiedlicher Studienergebnisse aufzulösen, unterblieben ist.