Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in Brasilien aus einer postkolonialen Perspektive und bedient sich dabei der Metapher der Anthropophagie (Andrade, 1928) als interpretative Linse. Auf Basis einer laborethnografischen Feldforschung am Center for Artificial Intelligence (C4AI) in São Paulo und unter Anwendung des Ansatzes der „creative nonfiction“ (Barone, 2007) analysiert der Beitrag technische, kulturelle und epistemologische Aneignungsprozesse in der brasilianischen KI-Forschung. Die Metapher der Anthropophagie wird dabei als emische Perspektive aus dem Forschungsfeld aufgegriffen und genutzt, um die Ergebnisse zu reflektieren und die lokale Kontextualisierung von KI-Entwicklung zu beleuchten. Der Beitrag eröffnet damit eine alternative Sichtweise auf KI, die im brasilianischen Kontext verwurzelt ist, und kritisiert den hegemonialen KI-Diskurs, der die Innovationszentren des Globalen Nordens priorisiert. Dabei rückt eine „anthropophagische KI“ (Cantarini, 2023) in den Fokus, die sich lokaler Herausforderungen wie Ernährungssicherheit und Klimawandel annimmt, während sie auf den Zustrom von Ressourcen aus dem sog. „Westen“ angewiesen bleibt. Diese Perspektive betont die Bedeutung sozio-technischer Imaginationen und materieller Realitäten und formuliert eine Vision von KI-Entwicklung, die die Bedingungen des Globalen Südens berücksichtigt, technologische Ungleichgewichte hinterfragt und eine stärker kontextgebundene Technologiepraxis fördert.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Anthropophagische KI – ein ethnographischer Blick auf die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Brasilien

  • Emilian Franco

摘要

Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in Brasilien aus einer postkolonialen Perspektive und bedient sich dabei der Metapher der Anthropophagie (Andrade, 1928) als interpretative Linse. Auf Basis einer laborethnografischen Feldforschung am Center for Artificial Intelligence (C4AI) in São Paulo und unter Anwendung des Ansatzes der „creative nonfiction“ (Barone, 2007) analysiert der Beitrag technische, kulturelle und epistemologische Aneignungsprozesse in der brasilianischen KI-Forschung. Die Metapher der Anthropophagie wird dabei als emische Perspektive aus dem Forschungsfeld aufgegriffen und genutzt, um die Ergebnisse zu reflektieren und die lokale Kontextualisierung von KI-Entwicklung zu beleuchten. Der Beitrag eröffnet damit eine alternative Sichtweise auf KI, die im brasilianischen Kontext verwurzelt ist, und kritisiert den hegemonialen KI-Diskurs, der die Innovationszentren des Globalen Nordens priorisiert. Dabei rückt eine „anthropophagische KI“ (Cantarini, 2023) in den Fokus, die sich lokaler Herausforderungen wie Ernährungssicherheit und Klimawandel annimmt, während sie auf den Zustrom von Ressourcen aus dem sog. „Westen“ angewiesen bleibt. Diese Perspektive betont die Bedeutung sozio-technischer Imaginationen und materieller Realitäten und formuliert eine Vision von KI-Entwicklung, die die Bedingungen des Globalen Südens berücksichtigt, technologische Ungleichgewichte hinterfragt und eine stärker kontextgebundene Technologiepraxis fördert.