Familien als Adressat*innen in den Frühen Hilfen. Die Adressat*innenperspektive auf Angebote im Spannungsfeld zwischen kompensatorischer und komplementärer Unterstützung
摘要
Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags stehen empirische Ergebnisse einer adressatinnen*orientierten katamnestischen Nachbefragung, die im Kontext eines regionalen Angebots Früher Hilfen durchgeführt wurde. Die Befragung ergibt eine bemerkenswert positive Resonanz, was verdeutlicht, wie wertvoll das als komplementär und individuell sehr passend wahrgenommene Angebot für Familien ist – ein Befund, der in einen Zusammenhang mit den steigenden Anforderungen an Familien in modernen westlichen Gesellschaften gebracht werden kann. Zugleich verweisen kritischere Äußerungen auf eine eingeschränkte Zugänglichkeit und das Stigmatisierungspotenzial bei der Inanspruchnahme der teilweise wahrgenommenen kompensatorischen Angebotsstruktur der Frühen Hilfen. Das Potenzial der hier gewählten adressat*innenorientierten Forschungsperspektive wird dadurch entfaltet, dass die Ergebnisse in generalisierender Weise als Reflexionsfolie auf das Feld der Kinder- und Jugendhilfe angelegt werden. In diesem Zuge bieten die Ergebnisse kritisch-reflexive Impulse für die Weiterentwicklung der Frühen Hilfen, aber auch für eine konzeptionelle Neuorientierung der Kinder- und Jugendhilfe an, wie sie bereits in Konzepten der ‚bedingungslosen Jugendhilfe‘ (Schrödter, M., Freres, K. & Thalheim, V. (2020)) oder der ‚Sozialen Arbeit als Infrastruktur‘ (Oelerich, G., Schaarschuch, A. & Dehm, H. (2024)) disziplinär angedacht sind.